Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1860)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1860-05-01
- Page
- 443 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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443 ו: R! § ו V I irgend einem Regiment zum Offizterdienst angenommen werde; der Kultusminister hat sorgsam Leber und Nieren geprüft, wo ein Jude als Lehrer das Christentbum schädigen möge, und der Sustizminister erklärte noch vorgestern den beifällig nickenden Herren daß ein Jude kein Richter werden könne, weil er einem christlichen Unterthan Sr. Majestät keinen Eid abzunehmen vermöge, obwohl dies viele Jahre lang in Preußen geschehen ist, ohne daß die christlichen Unterthanen an ihrem Seelenheil beschädigt würden. Die Vorgänge am Sonnabend beweisen aber nur zu sehr, wie weit wir von irgend gesicherten Zuständen der Fortentwickelung zur bürgerlichen Freiheit noch entfernt sind, weit entfernt selbst von dem Rechtsgefühl, das in Frankreich und selbst in dem bischöflichen England den Juden ihr bürgerliches Recht nicht streitig macht, während bei uns ein fanatisches christlich-feudales Junkerthum nicht allein, sondern auch die jetzige Regierung zum guten Thetl fast noch schlimmer das Recht der Juden zwar prinzipiell anerkennt, aber die Ausführung ableugnet und hintertreibt. Was kann Alles in solcher Art anerkannt und doch unterlassen werden; und welchen Glauben kann man haben, daß in dieser Regierung Dauer und Fortbewegung sein soll! Während die Wolken von Außen her immer drohender werden, sehen wir nicht, daß die Regierung sich fest und energisch aus das Volk stützen, mit dem Volke gehen, seinen Eifer und seine Kraft heben, seine mäßigen und gerechten Forderungen erfüllen will. Die ״Danziger Zeitung" enthält folgendes Eingesandt: ״Herr Baron v. Sensst-Pilsach. Sie waren so gütig, in der 18. Sitzung des Herrenhauses vom 24. März d. I. ein neues wichtiges Grundrecht für uns zu proclamiren, nämlich: daß wir Bauern wünschen müßten von christlicher Obrigkeit regiert zu werden. Leider ist Ihre sehr geschätzte Rede in den uns zugänglichen Zeitnngs- Berichten nur ganz unvollkommen wieder gegeben und bedarf deßhalb eines Commentars, um vollständig gewürdigt zu werden. Unstreitig hat Ihnen die Kunst des patriarchalischen Regiments mit wohl conditionirtem Prügel- und Halsgerichts-Systcm vorgeschwebt, und mit Ihnen finden wir es erklärlich, daß Sie jene schöne Zeit wieder herbei wünschen. Jedoch so stolz und glücklich Sie sich in der Vergangenheit fühlen, würden Sie uns Bauern doch ein noch größeres Glück bereiten, wenn Sie noch einen Schritt Wetter und bis auf das Heidenthum in Preußen zurückgehen wollten, wo kein Bauer an Leibeigenschaft und kein Edelmann an Bannrcchte dachte. Diese säubern Dinge brachte unfern Vätern nicht sowohl das Christenthum, als die christlichen Herren, und müssen wir cs bedauern Ihnen das Element der moralischen Kraft der preußischen Bauern in Summa Summarum nicht deutlicher zeigen zu können, als daß