Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1860)
- Article
- Eine Kundgebung aus dem Volke?
- Date
- 1860-05-01
- Page
- 429 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine KnndgMng a»S dem Volke. 429 Geschichte lehrt uns ja so häufig, daß zu den Zeiten, wo sich die Inden den andern Völkern an geschmiegt, dem Zeitgeiste gefröhnt, Selbstnberschützung und höhere Lcbensansprüche sich zn Schulden kommen ließen, — wähnend des selbsterrungenen Sieges sicher zu sein — das Schicksal ihnen plötzlich einen Schlag versetzte, wodurch sie Ehre, Besttzthum, Vaterland, kurz Alles einbüßten und kaum das nackte Leben zu retten vermochten. Der Herr Recenscnt hat schön darauf hingewiesen, daß der Jude als Mensch, als Bürger auf allen Gebieten des menschlichen Lebens seine Kräfte zu entfalten vrrmag, ohne seine Religion zu beeinträchtigen. Wir sind überhaupt dem Herrn Recensenten dafür dankbar, daß er ungeachtet der großen Anstrengung, die ihm nicht sowohl der Geschäftsgang seines Rabbinatsbezirks als die Verwaltung des Rabbinatsbezirks Merchingen verursacht, seine Aufmerksamkeit derjüoischen Tageslitcratur, ohne Rücksicht ans deren Richtung, widmet und deren Benrtheilung seine gediegene Feder leiht; wir freuen uns ob seines sich hieraus kund gebenden religiöses Eifers, dem es lediglich zu geschrieben werden kanu, wenn er in der ״Recension" etwas zn strenge aufgetreten; denn die Er« fahrung lehrt: ״dem das Herz voll, läuft der Mund über", und vergessen wir nicht, daß Herr Präger in seiner Predigtsammlung einen Angriff auf das Zudenthum beabsichtigt, den Herr Löwenstein als treuer Wächter desselben mit der Schärfe des Ansdrucks abzuwehren sich berufen gefühlt haben wird. Als unparteiische Beurtheiler können wir aber einen Erfolg durch Belehrung und Aufklärung mittelst der Presse nur dann erkennen, wenn die dcsfallsigen Besprechungen würdig gehalten sind und die objektiven Beziehungen nicht in subjektive ausarten, wodurch außerdem ein Austausch und eine Ausgleichung der differirenden Meinungen erzielt wird. In dieser Haltung wird eine Polemik dem lesenden Publikum stets angenehm sein. Wenn wir schließlich dem oben erwähnten Mannheimer Artikel noch eine Aufmerksamkeit schenken, so geschieht dies nur, um den ״zähnefletschenden Klausner" hinzuwctsen, daß es lächerlich ist, die Splitter in andern Augen zu bekritteln, den Balken im eigenen Auge aber nicht wahr zu nehmen. So wirft derselbe dem Herrn Löwenstein Schmäh- und Derdächtigungenssucht vor, während er