Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1860)
- Article
- Eine Kundgebung aus dem Volke?
- Date
- 1860-05-01
- Page
- 428 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Eine Kundgebung aus dem Volke. heimer Publikum im Rechte sein, nicht aber der andersurtheilendcn Oeffentlichkeit gegenüber, welche Eigner der ״Sabbathfeier" ist. Die ■\ Mehrheit des Jndenthums ist der Orthodoxie mehr befreundet, als i den Reformbcstrcbungcn, und wenn man auch Sitten, Gebräuche : und Einrichtungen nach den Anforderungen der Zeit umzugestalten; wünscht, so will man doch nicht an die Tradition Hand anlegen d. h. die traditionellen Formen nicht über Bord geworfen haben. i j Die Mehrheit der Juden, welche Herrn Präger kennen, achtet den-;1 selben wegen seiner Strebsamkeit das Judenthum nach Außen hin :! zu klären, den Kultus zu verschönern, sowie durch Bescheidenheit und! richtigen Takt die Einigkeit in der Reltgionsgemetnde Mannheim aufrecht zu erhalten; verwirft aber dessen dem Talmud entgcgenstebenden Grundsätze und Lehren; verwirft dessen Concesstonen, die gemacht werden, um eine recht zahlreiche Betheiligung am Sabbathj nnd Feiertagsgottcsdienst zu erzielen, während kein jüdisches Gesetz ' zum Synagogcnbesuch verpflichtet und Biele derjenigen, welche früher aus Judifferentismus die Synagoge nicht besuchten, den Gottesdienst jetzt anwohnen, weil ihnen der Pomp, die einladende Predigt zur Unterhaltung dienen dürfte. Das Judenthum hat sich in Hans, Gemeinde und Schule auszuprägen; dorthin mochten wir die Aufmcrksamkeit und die Bestrebungen der Herrn Rabbiner lenken, um dorten Gotteshäuser zu bauen, damit es nicht gehe, wie in einer benachbarten Stadt, wo der jüdische Vater mit seinen confirmtri werdenden Kindern am Samstag per Droschke zur Synagoge fuhr, ־׳׳ um daselbst der Confirmation anzuwohnen; oder wie in einer Stadt, wo eine Anzahl Synagog enbesucher gewohnt ist am Samstag nach :: Anwohnung des Gottesdi enstes in ein christliches Hotel zu gehen, nm ein Dejeuner 4 la Fourchetts einzuuehmen. Wenn wir daher die Rücksichtslosigkeit, mit welcher Herr Prager in besagter Recenston behandelt wird, ebenfalls bedauern, so können wir dagegen nicht umhin, in Hinsicht der thatsächlichen Beurtheilung der ״Sabbathfeier" dem Herrn Löwenstein beizustimmen. Derselbe fragt Herrn Präger folgerichtig: ״Was ist Wesen des Judenthums, was Form? In der That wären die Eonsequenzen der von Herrn Präger projektirten Censur von solcher Tragweite, daß sich das Judenthum gar bald zu ״Judensektcn" ausarten müßte, daß das Judenthum, noch ehe wir's versehen, dem Verfall zugeführt werden würde. Die