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Jeschurun · 1860-05-01 · Heft 8 (Mai 1860) · p. 408

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 8 (Mai 1860)
Article
Ijar
Date
1860-05-01
Page
408 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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408 Zjar. Ellen bitten, die Wiege ihrer Kinder zu stellen und die Gräber für ihre Eltern zu bauen, und auf Nichts, als aus ihren Anthetl an dem Menschenrecht und an der Menschenwürde gestützt, und auf den Einen gemeinsamen Vater im Himmel hinweisend, beanspruchen das gastliche Recht: aus der Gotteserde Mensch unter Menschen zu sein! Und sie dursten doch aus mehr als einem Grunde wohl auf Erhörung hoffen. Waren doch die meisten Volker, unter denen sie wanderten, selbst Fremdlinge auf dem Boden — aus dem sie ungastlich und unmenschlich dem Juden das Dasein versagten! War doch die eigentliche jüdische Wanderung in Zeiten gefallen, in welchen die alten Reiche sich gelöst und — den Juden gleich — aus Osten — Völkermassen aus Massen gewälzt, überall die alten Bewohner der Abendländer aus ihren Sitzen verdrängt und sich an ihre Stelle an« gefiedelt hatten und die Juden — waren höchstens nur zu spät gekommen — und standen darin freilich in Nachthetl, daß sie nicht mit dem^Schwerdte der Gewalt und in furchtbaren Massen — sondern als heimathlose Menschen im Namen der Menschlichkeit um Einlaß baten und ein Plätzchen attf einer Erde begehrten, die ja auch die Großväter ihrer jetzigen Herrn nicht kannte. Und sie waren doch geistig nirgends Fremde! Durch die seltsamste Fügung war ja eben der göttliche Boden der jüdischen Vergangenheit der Boden deS Heils und der Hoffnung aller der Kultur-Völker geworden, in deren Mitte der müde Fuß des wandernden Jakobstammes eine Ruhestättc suchte. Im Namen Abrahams, Isaaks und Jakobs durften sie doch um Einlaß bitten und sicher sein von der letzten Hütte des Landmanns bis zum Palaste der Herrscher Namen zu nennen, zu welchen der Bauer und der Fürst mit den ersten, kindlichen Gefühlen der Ehrfurcht aufblicken gelernt. Und es hatte doch die ganze Eultnr, die auf dm Trümmern des römischen und griechischen Heidenthums sich mühsam aufzubauen begonnen, keinen andern Ausgangspunkt als Gedanken und Anschauungen, Empfindungen und Gefühle, die — freilich in mehr und minder vielfacher Trübung — mit Bewußtsein einer Gottoffcnbarung entlehut waren, deren Deposttäre — freilich in Bettlergestalt — an der Thüre der Völker um Einlaß harrten. Und es hatte doch endlich diese Kultur aus dem reichen Gedankenschatze des jüdischen Gottes-Vermächtnisses ge° rade das Wort der ״Liebe" als ihres Glaubens höchste Parole

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