Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 7 (April 1860)
- Article
- Die Landrabbiner-Conferenz zu Hannover
- Date
- 1860-04-01
- Page
- 390 (sequence 3)
- Language
- German
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890 Die Landrabbiner-Cünfercnz zu Hannover.!1/. sechszehn Jahren kümmert sich beinahe Niemand mehr darum, ob ein -Rabbiner die Sabbathgesetzc als aufgehoben erklärt; — wer dieselben nicht beobachten will, bedarf dazu keines rabbtnatlichen Dis- Penses mehr und wer ihre Verpflichtung anerkennt glaubt dem Dis-- pensc nicht. Die ״religiösen Wirren" haben sich geklärt, ein Jeglicher weiß, ob er zur Fahne des Judenthmns hält, oder nicht. Gegen völlig außerhalb deslGesetzes Stehende, gegen Beschlüsse, die das jüdische Gesetz völlig umstoßen — bedarf es heute keines Federstriches mehr. Läßt die Reform den treuen Anhänger deS Zudenthums in seinem Streben nur unbeirrt, so können wir sie ruhig gewähren lassen; — das ist der Fortschritt der Zeit. Unsere ganze Aufmerksamkeit, unsere ganze Thätigkeit hat sich jetzt lediglich auf den engen Kreis der Gleichgesinnten zu richten. Hier ist das Feld unseres Wirkens durch Wort und That Hier gilt es die Uebel ausfindig zu machen, an welchen die einzelnen Gemeindekörper und die Zeit im Allgemeinen kränkelt und haben wir sie erkannt, zu heilen und zu bessern. Zwei Uebel sind es, denen das Auge des aufmerksamen Forschers am häufigsten begegnet, zwei Uebel vornehmlich, an denen so Manches scheitert, zwei Uebel, die wie ein Alp auf uns lasten und den Verrath und den Abfall in unsere innersten Kreise zu bringen drohen; — es sind die größten, gefährlichsten, die einer heiligen, wichtigen Sache zukommen können sie heißen Halbheit und Lassigkeit. Wenn es stets die Ausgabe eines Jeglichen ist, daS, was er als wahr und recht erkannt hat, offen und entschieden zu vertreten und nicht zu ruhen und nicht müde zu werden bis das zur Begründüng und Erhaltung des Wahren und Rechten Nothwendige hergestellt ist, — so ist es heute doppelte, dreifach heilige Pflicht eines jeden Juden, dem es mit seinem Eide am Sinai ernst ist, mit der vollen Energie seiner Kraft, mit der Einsetzung seines ganzen Strebens für die Sache unseres Heiligthums thätig zu sein. Die Zeiten find wahrlich ernst genug. Die Erscheinungen im Innern und Aeu» ßern, die Bestrebungen des Nihilismus und des Obscurantismus — alle stehen itu diametralen Gegensätze zum Judenthume und locken zum Abfalle.