Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 7 (April 1860)
- Article
- Augensprache
- Date
- 1860-04-01
- Page
- 380 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Augensprachr. Sie das Auge weit und weiter, Bis es schwimmt in holder Pracht Wie zuvor, so voll und heiter. Doch nicht Alle ruh'n erquickt Sanft von ihrem Schooß geschaukelt, Von den Träumen Glückumgaukelt; Manchem hat der rauhe Sturm Ach! die schönste Blüth' geknickt; Diesem frißt des Stegthums Wurm An dem besten Lebensmark; Jenen hat die Welt betrogen Gar so bitter und so arg, Die er an dem Busen barg Liebeglühend, hat entsogen Ihm sein edles Herzensblut — Schauernd steht er vom Verrath Ganz umlauert seinen Pfad. Dem zertraten Uebermuth Wahn und Neid die Segenssaat — Sein so heiß erkämpftes Gut; — Jenen hetzt die Freflerrotte Teuflich kalt mit gift'gem Spotte! Und der Arme den so sehr Leidensschwer das Schicksal traf, Wälzet wimmernd stch umher Hascht umsonst nach stillem Schlaf: Lechzend wollen seine Lippen Nur ein wenig Labung nippen An der Ruhe Balsamquell; Doch im dichten Schmerzensdunkel Bleibt sein Grambewußtsein hell; Und vom Haupte scheucht der Kummer Grausam folternd ihm den Schlummer. Meint gewiß, daß ihn verhöhnt Rings der Friede; da er stöhnt: ״Jeder kann Erholung finden, Muß allein mich ächzend winden?"