Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 7 (April 1860)
- Article
- Die Juden in Spanien und ihre jüngsten Geschichtschreiber
- Date
- 1860-04-01
- Page
- 360 (sequence 9)
- Language
- German
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360 Die Juden in Spanien und itzre jüngsten Geschichtschreiber. nand den Katholischen bleiben sie unveränderlich dieselben: Fanatismus und Habgier. Gegen die unglücklichen Geächteten erlaubte man sich Alles, ohne Scheu, ohne Gewissensangst: ״Sie hatten ja den Christ gekreuzigt, sie waren Gottmörder", wiederholt unser Geschichtschreiber. Sie mißhandeln, galt allMmein für ein gottgefälliges Werk. So waren die Schlachtopfer unversöhnlichen Feinden, Henkern preisgegeben, deren Blut- und Gelddurst keine Schranken kannte; zu GotteS Ehre und zu ihrem eigenen Seelenheil durften sie ihren feindseligen Leidenschaften ungezügelten Lauf lassen. Diese VerfolgungSwuth wurde besonders vor den Predigten eines Priesters geschürt: Fernando Martine;, Archidiakonus von Ecija, lehrte aus der Kanzel, daß es ein heiliges, Gott angenehmes Werk sei, diese Ungläubigen mit Feuer und Schwert auszurotten. Die Stimme dieses glaubenstollen Pfaffen hetzte den Pöbel auf und gab an demselben Tage, fast zur selben Stunde das Mordstgnal an den Hauptpunkten in Spanien. Zu Burgos, Valencia, Toledo, Cordova, Sevilla, Barcelona, Lerida, Tudela u. a. m. stürzte die rasende Menge lechzend nach Blut und Beute, über die Inden her, die, gleich Heerden zur Schlachtbank, in ihren Vierteln eingepfercht wurden Das Würgen begann am 5. Aug. 1391 und dauerte so lange, wie noch ein Schlachtopfer athmete. ״Taufe oder Tod!" war die 80sung der Meuchler. Einige Juden retteten durch den Religionsabfaü ihr Leben; aber welch' ein Leben! Ihre Synagogen waren zerstört, ihre Häuser geplündert, ihre Magazine und Werstätten ein Raub der Flammen, Handel und öffentlicher Wohlstand zu Grunde gerichtet. Die Verbrecher blieben ungestraft, denn sie hatten ja nur eine Sendung ausgeführt: die Kirche, die sie bewaffnet hatte, hatte sie zum voraus absolvirt, und die weltliche Gewalt hatte keine Macht gegen sie: Schwäche oder Furcht machte die Könige zu Mitschuldigen dieser Gräuel. ״Es konnte gefährlich sein," sagte der Erzähler der Metzeleien von Toledo, ״eine ganze Stadt zu züchtitigen, um eine Judenschaft zu retten oder wieder einzusetzen; zumal der Aufstand die Religion zum Mantel und den Archidiaconus zum Apologeten hatte." Von diesem Schlage waren die Juden niedergeschmettert. Fürderhin war ihren Verfolgern Straflosigkeit zugesichert, und sie muß-