Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 7 (April 1860)
- Article
- Die Juden in Spanien und ihre jüngsten Geschichtschreiber
- Date
- 1860-04-01
- Page
- 353 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ab. de Castro und Amabor de loS 9110$. 353 I. De Castro's Buch ist, streng genommen, keine Geschichte; cs ist eine Reihe von Episoden, Erzählungen und Anekdoten; die historischen Thatsacheu sind mit Sagen und Fadeln untermischt; daher die unvermeidliche Verworrenheit, die ebenso der Wahrheit, wie der klaren Darstellung Eintrag thnt. In diesem bunten, ohne Ordnung und Methode gewundenen Knäuel von eilfertig zusammengerafften Ereignissen und Daten, von Citaten und Beweisstücken, von Originalausgaben und verdächtigen Urkunden hält es schwer, das Wahre von dem Falschen zu sondern. Trotz dieser Mängel aber liest mau das Buch mit dem Interesse, Las der Gegenstand erweckt. Es bringt überdies viel Neues,- Bruchstücke aus wenig gekannten oder feiten gewordenen Werken, aus ungcdruckren Handschrifte«. Hier jedoch hat der Leser allen Grund, auf seiner Hut zu sein, besonders Artas Montana, den berühmten Herausgeber der Arrtwerpner Bibel-Polygloltr und dessen Freunde, betreffend. De Castro ist nämlich in seinem 'Vaterlande durch das wuriderbare Talent berühmt, mit dem er den Styl deS goldenen Zeitalters der spanischen Literatur auf's Täuschendste nachahmt. Sv machte er z. B. den Cervantes zum Verfasser einer angeblich entdeckte» Handschrift, die dieser entschieden mit keinem Auge gesehen hat. So beginnt er sein vorliegendes Buch in dem feierltch-senientiösen Ton, der an die Einleitung zu dem Kriege Granada'» gegen die Morisken, dem Meisterwerk Mendozä's mahnt. Leider hält er den angeschlagenen Ton nicht fest, und der Verfolg stimmt nicht mit dem genommenen Anlauf. Seine Schrift in Betreff der Form erinnert an die schonen Fayaden der alten spanischen Kloster: von außen grandios und prächtig, von innen — eine Kaserne oder ein Waarenlagcr. Von allen Borwürfen jedoch, welche die Kritik dem Schriftsteiler nicht ersparen kann, bleiben die edle Gesinnung und die librale!, Tendenzen des Geschichtsschreibers unberührt. De Castro nimmt sich der Schwachen gegen ihre Unterdrücker an, verficht die Schlachtopfer gegen ihre Henker, brandmarkt mit Nachdruck den unsittlichen Erfolg und das beleidigte Recht; das vae victis! kommt nie über seine Lippen. Er verschont selbst den Ruhm nicht, der mit seinem schimmernden Mantel gar manche unrichtige Wege zndcckt - und zeigt die schwarzen Flecken an dessen Strahlenkrone. Er be-