Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1860)
- Article
- Zur Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus
- Date
- 1860-02-01
- Page
- 282 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Zur Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus so spricht der vollkommene Anatomiter und Mechaniker nicht deshalb geläufiger, gehet nicht deshalb behender; weil der Akt des Sprechens und Gehens, selbst beim Menschen, etwas Unwillkürliches, Sinnliches, nichts Geistiges ist — nie aber den Glauben erzeugen. 3) wäre selbst der Verstand nie im Stande, dem Glauben die unermeßliche Beständigkeit (Constantia), deren er sich zu erfreneu hat, zu verschaffen. Also muß seine Quelle, sctnNrsprung der sein, den er von sich selbst angiebt, nämlich: ״die geoffenbarte Neberlteferung". Und wirklich spüren wir seiner Quelle, seinem Ursprünge nach, so finden wir ihn in der ältesten Welttradition, im Talmud, Traktat Sanhedrtu fol. 71 Pag. 2 wo es ausdrücklich heißt: Dem Noah und seinen Kindern, ja selbst Adam sind unmittelbar von Gott sieben Gebote gegeben worden. Maimontdes הלכוח עכ״ום. So fällt auch der, Gott gemachte, Vorwurf weg: die ganze Menschheit in Finsterniß gelassen und nur den auserwählten Juden den Weg des Lichtes und des Lebens offenbar, Zu haben. Nein! der allgütige Vater hat allen seinen Kindern, ohne Ausnahme, den Weg der Seligkeit durch ihre Stammväter, wie durch das Gcwissen, deutlich offenbart. Den Kindern Israels aber «ine geoffenbarte Gesetzgebung noch dazu verliehen, um durch sie die ganze Mensch- Hess zum reinen, primitiven, überlieferten und geoffenbarten Glauben einst zurückzusühren. Demzufolge sind auch unsere Klagen gegen unfern himmlischen Vater höchst ungegründet; denn er hat uns drei beständige (con~ Staates) Wegweiser auf unsere Pilgerfahrt mitgcgebey: das Gewissen, den Glauben und den Verstand, welche die Menschheit vor jeder Noth schützen und ihr hinieden Glückseligkeit verschaffen sollten. Wäre die Menschheit von wahrer Religiosität — wie fix es vorgiebt — wirklich durchdrungen, das Elend müßte von dxr Erde weichen und die Erde wäre i» ,ein Paradies umgewandelt. Wahre Religiosität bedingt strenge Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Mäßigkeit, Wohlthättgkeit und Milde und muß die Zufriedenheit durchaus zu Wege bringen. Weil aber die Menschheit sich der wahren Religiosität nicht bestrebt, wird sie, selbst im reichsten Besitze der Erdengüter,