Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1860)
- Article
- Worte bei der Schulfeier der Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M.
- Date
- 1860-01-01
- Page
- 196 (sequence 9)
- Language
- German
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196 Worte, gesprochen Sei der Schillerftier ״In der Freiheit heiligem Schutz Freut sich Jeder seiner Stelle, Bietet dem Verächter Trutz." — — ״Ehrt den König seine Würde Ehret uns der Hände Fleiß." — — Der Gedankenkreis Schillcr'scher Dichtungen, den uns diese durcheinanderschwebenden Nachklänge vergegenwärtigen möchten — ist es nicht jüdischer Boden, dem sie entstammen? Sind es nicht jüdische Lebensanschauungen, die in allem Diesem leben und weben? Diese heitere Anschauung der Lebensbesttmmung, diese in frohem Bewußtsein erfüllter Lebensbesttmmung vor Gott zu findende Freude — dieses Verständniß Gottes in seiner Allmacht Tempel der Na» tur, und diese Heiligkeit des Hauses, und die hohe Bedeutung des. Weibes: das Hans im Weibe und das Weib im Hause, dieser.Staatcnbau auf Gesetz in der Freiheit und der Freiheit im Gesetze, diese göttliche Gleichheit jedes gottgebornen Menschen, dieser gleiche Adel und gleiche Werth und diese gleiche Würde jedes Gott geweihten Menschenlebens — sind das, fast bis aus den Wortausdruck, nicht Blütheu von dem jüdischen Baume des Lebens? Sind dies nicht Keime jenes Gottesvermächtniffes, das das Judenthum seit Jahrtausenden für die Menschheit gepflegt und die immer mehr, bewußt und unbewußt, aufgehen in der Brust der Menschheit und ihre Erleuchtung und Veredlung vollenden? Das ist es ja, warum die Weisheit unserer Väter uns gelehrt, ״von Gott verliehene Weisheit" im Munde der ״Weisen aller Völker" zu suchen. Die jüdische Weisheit harret darauf, daß es hell werde in allen Gemüthern auf Erden. Das jüdische Gesetz kennt sie nur für Abraham's Söhne und Töchter als die gottgewiesene Norm für die priesterlich erwählten und geweihten Fackelträger der Menschheit erlösenden Wahrheit. Aber diese Wahrheit selber, dieses Recht, diese Erleuchtung und Gesittung, sie sollen Erbgut werden für Alle, die Gott auf Erden athmen läßt. Ihre Keime hat Gott in die Brust der Sterblichen gelegt und der Strahl des Judenthums soll diese Keime zeitigen. Das Judenthum und die Judenheit war-