Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Jüdische Belletristik [Rezension]
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 164 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Jüdische Tcll.tr!,Ak. vom Lichte der Poesie, wird unbefriedigt und mit gerechtem Widerwillen sich von ihr wenden. Ob nach dieser kurzen Inhaltsangabe diese Novelle, nur ihrer Anlage nach betrachtet, geeignet ist eine Lektüre für das jüdische Hans zu werde», zur Stärkung und Hebung des religiösen Sinnes bcizutragcn, wollen wir dem Ermessen Anderer überlassen und wollen nach diesem schon zu weiten Abschweifen zur Betrachtung einzelner Schilderungen und Ansichten zurnckkchrcn. Der kleine Salomo ist der Schulstnbe des ״langen Nein", dem nach Darstellung unseres AntorS zum völligen llnthicr nur noch die Klauen und Krallen fehlen, glücklich entflohen und weilt beim hcrrli. Das ist nun eine jener wunderlichen Figuren, die streng im alten Jndenthum wurzeln sollen, die aber zugleich einer besonder» Liebe in der Ausarbeitung sich zu erfreuen haben und hierfür einen Thcil ihrer orthodoxen Ansichten opfern müssen. ״Der Hcrrli war kein hochgelehrter Mann, aber, in seiner Jugend in Bibel und Talmud wohl unterrichtet, hatte er in spatem Alter sich wieder auf die nie ganz vernachlässigten heiligen Schriften geworfen, die Studien zu einem streng asketischen Leben benutzend .... er war ein frommer religiöser Mann, der tagtäglich zu drei vcrschiedenen Tageszeiten seine Gebete mit sehr großer Inbrunst vcrrichtcte." — So weit die eine Seite; nun folgt die andere, die Hauptsächlich wohl lehren soll, daß man in früheren Zeiten selbst in alt jüdischen Kreisen sich schon eine freiere Anschauung geschaffen, denn: ״wenn der Hcrrli mich auch vor jeder Uebcrschrcitnng der israelitischen Lebensvorschristcn und häuslichen Gesetze warnte, so übte er keineswegs jenen fanatischen (?) Eifer, jene ewig wachcndc Aufmerksamkeit auf mein Thun und Treiben, die über das Mittel das Ziel, über das todtc Wort den lebendigen Inhalt, über die Zorn! das Wesen vergißt und übersieht. Auch ich mußte im Hause Gott dienen, aber er traf nur eine Auswahl aus den üblichcn Formeln" (!). Hier ist er schon ganz der Mann unserer Zeit, der bei guter Gelegenheit sicherlich auf Revision der Gebetbücher dringen Würde, um so manche Formel, — Gebete sind es ja nicht mehr — zu beseitigen. — Dem Dienste in der Natur sollte endlich am Ncujahrstagc rin Besuch dcS Gottesdienstes in der Gemeinde