Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Jüdische Belletristik [Rezension]
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 163 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der mricfonntc Nabbk. 163 hinein in das Getriebe und Gcwirrc der sich über ihn massenhaft häufenden Ereignisse zu ziehen, überschreitet meine Aufgabe« Möge daher die Angabe deS Herausgebers —■־ das Ganze sollen anfgcfnndene Papiere sein — daß nicht weniger als zehn Todesfälle unser unbekannter Rabbi zu bedauern und drei Schlachten nritzumachen habe, einen ungefähren Begriff dessen geben, was man zu erwarten hat. Die Stunde seiner Geburt ist die Todesstunde seiner Mutter; sein Vater wird als ein Opfer niedriger Habgier crschlagen; Bachnr Jesftl, sein Lehrer, siecht früh dahin; der Magister, sein -Wohlthäter, stirbt im Wahnsinn; Estrella, seine Verlobte, wird vor seinen Augen ermordet; Karl von Nosain, sein Busenfreund, fällt im Augenblick des Wiedersehens nach jahrelanger Trennung, im Kampfgewicht. Tic Ereignisse des siebenjährigen Krieges, die Angst der Veduinenkämpfe, die Wuth der französischen Revolution werden hier in's Weite und Breite erzählt, Raub, Mord, Tobtschlag, die Schrecken des Wahnsinns, die Leiden unglücklicher Liebe, der garrze Schmcrzerrökelch, den die Vorsehung für die Menschheit gefüllt, ist hier über bcu Einzelnen ausgcschüttet. Es ist eine lange Kette von Unglücke fällen, die sein unruhig bewegtes Leben bildet, und ein unseliges Geschick treibt ihn und schleudert ihn von einem Ende der Welt zum andern. Nicht ihn allein verfolgt aber das Weh, — der Lebenslauf eines Jeden, der mit ihm in Berührung kommt, windet sich durch Unglück und Trübsal, so daß wir fast nicht einer einzigen frohen Menschennatnr hier begegnen. Es gibt keinen Ton des Saitenspiels des menschlichen Mitgefühls, der nicht angeschlagen; was Rührung hervorruft, wird sehnlich hcrbeigczogen; und blicken einzelne Helle Sterne durch die dunkle Nacht, die über der ganzen Erzählung ansgebreitet liegt, so ist cs nicht, um sie zn erhellen, sondern um im nächsten Augenblick eine dichtere Finsternist hereinbrcchen zn lasten. — Wer cs liebt, in der Lektüre sich heftig erregen und dann und warne sich auch einige Thränen entlocken zn lassen, wird diese Novelle, die in eine jetzt Gottlob vergessene Nomanepoche der deutschen Literatur gehört, freudig begrüßen; wer aber verlangt, daß die Welt und das Treiber: der Welt dargestellt, die Seele des Menschen und ihre Kämpfe gezeichnet werden soll, beide, die Welt und der Mensch, erhellt rrrrd verklärt 11