Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Kislew
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 116 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Kislew. Unwiederbringlich ist die Jugend wenn einmal verscherzt, -uuwiederdringlich die Weihe wenn einmal verloren! Der MensMWnnr Einmal begeistert für daS Hohe, der Mensch nur Einmal empfänglich für die Weihe. Kindesgemütb, Jünglingsglnth, Bräntlickkeis, Weihestimmnngcn — Poesien sind's, vom barmherzigen Vater dem armen Menschenherzen zum Tröste verliehen, um wenigstens über jeden Allfang den Nosenschimmer der Hoffnung zu decken und das Ende noch mit dem süßen Schmerz der Erinnentngöwelnnuth zu laben. Allein die Wirklichkeit hat nichrMvon dem Perienthan, der in der Morgensonne glänzte. Die poetischen Keime müssen zertreten werden wenn die Wirklichkeit sich anfbanen soll, der Mann wird zum Narren, der sich das Kindesgemüth und die Jünglingsgluth bewahren wollte. Des Weibes Herz wird gebrochen, das die bräutlichen Träume im Sorgenhaus der Familie erfüllt sehen mochte. Das HauS, der Tempel wird unpraktisch, wenn der Inhalt ihrer Einwcihnngsgedichte wollte mehr als Gedichte bedeuten." Und doch steht Chanuckak, Chanuckah, immer wieder und wieder in dem Kalender unserer I ihre, und doch ist's diesem Kalender vollendeter Ernst, mit jeder Cbaruckah, eben ״Chanuckah", neue Weihe, frische Rüste, erneuten, frischen Anfang dem Tempel- und FamiUen-Leben jeder Zeit zu bringen! Und doch straft die Chanuckah-Geschichte selbst alle jene engbrüstige Blasphemie von dem blos ״Gemachten", von der bloßen Poesie des Poetischen im Leben Lüge! In der achtzigjährigen Brust eines Greisen loderte die Chanuckah-Flamme der Begeisterung auf, an der sich das Feuer eines ganzen Volkes'entzündete, die Wahrheit und die Weihe, die Heiligfeit und die Heiligung seines Lebens zn retten. Und es war das beginnende Grcisenalter dieses Volks, in welchem cs der Begcisterung fähig war, für seines Lebens höchste Güter das Leben mit al- ׳ len seinen Gütern einzusetzen und eben mit dieser Begeisterung den Anfang, die Chanuckah seines —- Greisenalters zn beginnen. Und es wäre euch Chanuckah, es wäre euch Begeisterung und Weibe Dichtung und Unwahrheit, mit deren man Kinder ergötzt und Junglinge berauscht bis sie zur Nüchternheit des Lebens erwachen? Warum sind euch Begeisterung und Weihe nichts als abgcpflückter Blürhen Gnirlandcn, mit denen ihr eure sogenannten ״Weihestnnden" des Lebens verbrämt, die aber den morgenden