Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 12 (September 1859)
- Article
- England : London [Nachricht]
- Date
- 1859-09-01
- Page
- 662 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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662 Diktat des Sittengesetzes von einem Oberhaupt einer großen religiösen Gemeinschaft im Namen der Religion vertheidigt werde. Der Benicht des Sir M. Montefiore hat die Welt jetzt bereits aufgeklärt, und sie in officteller Weise von dem bisher Unglaublichen überführt. Der allgemeinste Menschenverstand erklärt die Eltern als die einzigen Vormünder ihrer jungen Kinder. Nicht den Eltern, der Mutter Kirche ist dieses Amt in letzter Instanz anvcrtremt, erwidert der Glaube; und in diesem Streit zwischen dem Verstände, der alleinan das in jeder Mcnschenbrust eingegrabene Moralgesetz und an das in der Bibel verzcichnete Gesetz Gottes zu appelliren vermag, und dem Glauben der durch Heilige besinnt und durch menschen-kirchliche Entscheidung festgestellt ist, spricht der Papst kraft der Unfehlbarkeit der von ihm vertretenen Kirche das Urtheil: Menschenverstand sei Rebellion gegen Religion, und Verbrechen hört auf Verbrechen zu sein sobald die Kirche sich dafür ausgesprochen. Vergebens bemühen sich Moralisten, Philosophen und Legislatoren die Begriffe der verschiedenen Arten Verbrechen festzustellen. Sie mögen sich die Mühe ersparen. Der natürliche Menschenverstand und das klare Wort der Bibel sind unzuverlässige Führer. Verbrechen ist nur das, was der Papst im Namen der Kirche als Verbrechen bezeichnet. Die Berkündignng dieser Offenbarung war Pius dem Neunten Vorbehalten und ist der Frömmigkeit des Pontifex würdig, der seine Kirche mit einem neuen wichtigen Dogma bereicherte. Die Verkündung der großen in der Lehre von der unbefleckten Empfangniß enthaltenen Heileswahrheit und die Belehrung der christlichen Welt, daß die Kinder der Juden, Ungläubigen, Protestanten und Türken unter gewissen Umständen gestöhlen werden dürfen, sollen wahrscheinlich die beiden charakteristischen Züge bilden, die Pins' Pontificat verherrlichen und ihm ein ewiges Andenken in den Annalen des PapstthnmS sichern sollen. — — — Und gleichwohl halten wir die von der jüdischen Gemeinde für diese Sache gebrachten Opfer nicht verloren. Der Schrei des Abscheu's der einst durch Europa tönte als im Jahre 1680 mehr als 20 sogenannte ״rückfällige" Juden lebendig durch die Inquisition verbrannt wurden, schüchterte die diabolische Inquisition ein. Kein spanischer König beging ferner mehr seine Hochzcitsfeier mit einem ^nio-cks-kö. Die Menschheit war zwischen 1680 und 1690 schon so weit vorgeschritten, daß das Verbrechen Inden zu verbrennen, das bis dahin ganz unbemerkt geübt, wurde, damals die ganze civilisirte Welt empörte. Der römische KatholicismuS merkte, daß er durch den mit solchen Schauspielen bet seinen Freunden erregten Abscheu mehr verlor als er durch den Schrecken gewann, den sie in die Herzen seiner Feinde brachten. Nach und nach erloschen die Scheiterhaufen in Europa. In derselben Weise war die Menschheit 1858 ferner so hinreichend vorgeschritten, daß sie durch diese gcrin-