Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 12 (September 1859)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1859-09-01
- Page
- 653 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932863-2932876-2943903--04953-2943966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Einführung einer Synagogenordimng, eine Geschichte von Vielen. 653' ibt r׳t,?־ז »st eit xU ¥ f Wje־ 5te -es!sixre. 1ev 'ür die rer jur iecdim jeei!.!es llt. rer »er tede, jfo welcher wir uns jetzt befinden. Der Lehrer, der sich durch höhere I Bildung und Kenntnisse auszeichnete und damit zugleich einen prak- | tischen, klaren Verstand und seltene Energie verband, ließ keine f Schritte unversucht, um seine Gemeinde vor einer willkürlichen Pfafij senherrschaft zu schützen. In beredten Worten stellte er Namens der s Gemeinde die ganze Ungesetzlichkeit der Verordnungen dar und als!die Gemeinde zu wiederholten Malen mit ihren Vorstellungen abj gewiesen worden, erklärte er, daß er als Lehrer und Borbeter zur j Ausführung dieser gesetzwidrigen Handlungen seine Hand nicht bieten, vielmehr Alles aufwenden werde uin diesem in jüdischen Kret- | fen unerhörten Gebahren kräftigst entgegenzuwirken.;1 Da jede Aufforderung des Kreisrabbiners zum Gehorsam an;dem festen Sinne des Lehrers scheiterte, nahm der geistliche Hirt is seine Zuflucht zu der Regterungsgewalt. Er forderte ihn zum letzten! Male ans seine Anordnungen in Wirksamkeit zu setzen, widrigenfalls die hohe Regierung feine Entsetzung verfügt habe, j Auch diese Drohung wollte nicht fruchten. — Die Drohung i wurde verwirklicht. — Das Kreisrabbinat eröffnete dem Vors stände, daß der Lehrer der Gemeinde wegen Widersetzlichkeit seines Amtes enthoben sei und diesem wurde zugleich ans gezeigt, er habe sich sofort in eine benachbarte kleine Gemeinde, in j welcher die neue Shnagogenordnung bereits in Kraft war, als Vorj beter und Schächter zu begeben, oder augenblicklich als Ausländer I das Land zu verlassen. f Der Lehrer hatte das letztere vorgezogen und war soeben beschäftigt ein Antwortschreiben an das Kreisrabbinat zu vollenden, I worin er erklärte, daß er nie und nimmer sich irgendwie zu einer D Handlung zwingen lasse, die seinem Gewissen zuwider sei. Er ver-! lasse daher lieber ein Land, in welchem er seit fünfzehn Jahren geß wirkt habe und erflehe vom Himmel, daß bald eine Aenderung in | der Leitung der jüdischen Angelegenheiten eintreten möge, die diesem ' modernen Pfaffenthum ein Ende inache. s Wie ein Blitzstrahl durchzuckte die Kunde von der Entsetzung s ihres Lehrers die Glieder der Gemeinde. Unseren Lehrer hat man f uns genommen, hieß es überall, unfern thenren, wackern Lehrer, der i seit fünfzehn Jahren mit der aufopferndsten Hingebung seine Thäs tigkeit dem Wohle der Gemeinde und eines jeden Einzelnen widmet!