Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 12 (September 1859)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1859-09-01
- Page
- 651 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Einführung einer Synagogenvrdmmg, eine Geschichte vsn Vielen. 85L Bedauern aussprechen, daß ich den Schatten seines Krnmmstabs meiden muß." Der Vorsteher entfernte sich; der Lehrer setzte sich an daS Schrei-pult und begann eifrig das Schreiben an den Kretsrabbiner. Während dessen wird eS wohl Zeit sein des Näheren zu berichten, was den Lehrer so in Aufregung gebracht. Der alte, ehrwürdige Kretsrabbiner war heimgegangen zu seinen Vätern. Durch Lässigkeit der einen und üble Bestrebungen der andern Sette waren die Gemeinden um ihr heiligstes, unverlierbares Recht gebracht worden, ihren Rabbiner sich selbst zu wählen. Statt des Bestätigungsrechts, das die Regierung bis jetzt ausgeübt, nahm sie nun das Recht der Anstellung für sich ganz allein in Anspruch und beschränkte sich lediglich darauf, die Gemeinden aufzufordern ihre Wünsche zu äußern, die sie alsdann in Erwägung zu ziehen versprach. Die Landgemeinden äußerten sich auf diese Aufforderung einstimmig dahin, daß sie den Rabbinatsstuhl mit einem Manne besetzt zu sehen wünschten, der vor Allem sesthalte an den tradirten Satzungen, der vor Allem Jude sei in des Wortes wahrer Bedentung. Die Hauptstadt dagegen legte der Regierung dar, wie nur durch ״zeitgemäße Reformen" der jüdischen Bevölkerung das Heil erblühen könne; wie das alte Judenthum veraltet sei und nicht passe zu Emancipationsansprüchen; — wie man demnach bedacht sein müsse, einen Rabbiner anzustellen, der auf ״der Höhe der Zeit" stehe, der durch deutsche Predigten, Einführung der Orgel und Abstellung der altfränkischen Gebräuche seine Gemeinde zu dieser Höhe heranziehe und sie würdig mache, einzutreten in den großen Verband ihrer nichtjüdtschen Mitbürger. Wie könnte eine christliche Regierung sich eine eigene, klare Ansicht über jüdisch-religiöse Bedürfnisse bilden? — Die Wünsche der Landgemeinden wurden in schlichter Weise von schlichten Landleuten und kleinen Krämern dargelegt — die Ansprüche der Hauptstadt repräsentirt durch angesehene, gebildete Männer, große BanquierS, Kaufleute und Aerzte. Es wimmelte darin von so schönen Phrasen über Aufklärung, Bildung, Humanität, Erfordernisse der Zeit, während die armen Landleute nicht im Stande waren, ihre Wünsche so mundgerecht und elegant zu motivtre». War es ein