Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1859-08-01 · Heft 11 (August 1859) · p. 619

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 11 (August 1859)
Article
Villafranca und Kremsier
Date
1859-08-01
Page
619 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2932754-2932863-2932875-2943821--04912-2943893
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

von vr. M. Hirsch. 619 gen nutz und Selbstsucht nicht aufrecht erhalten werden können. Das Volk, das noch den Juden knechten will, ist selber nicht zur Freiheit reif, wirft selber das Schwerdt aus den Händen, das es selber gegen alle Knechtschaft fortan vertheidigen soll.-^Mer ein Princip nicht auch gegen sich anerkennt, kann es auch nicht für sich gebrauchen. Darum als Söhne des Volkes glauben wir, daß Abgeordnete : zum constituirenden Reichstage die hohe Aufgabe ihrer Sendung ganz verkennen würden, so sie nicht entschieden und ganz und überall und immer an diesem Grund principe festhalten, ,so sie auch nur von ferne der Möglichkeit Raum geben würden, es sei ihnen nicht Ernst mit diesem Principe, es dürfe dies Princip aus Rücksichten auch gebrochen, oder wie immer verkümmert werden. Es wäre ein gar Leichtes zu zeigen, wie die 1/4, 1/8 und l /16 Emancipationsvorschläge, wie wir sie in der alten Zeit gehört, wie sie in ihren Voraussetzungen falsch, in ihren Bestimmungen zweckwidrig, in ihren Erfolgen unheilbringend und wie im Gegcntheil die völlige Gleichstellung der Juden für den Staat selbst nur vortheilhaft und heilbringend wäre. Allein wir halten selbst solche Betrachtungen den Anforderungen der Gerechtigkeit zur Seite für eine Versündigung gegen die Heiligkeit des Rechtsprincips, das alle anderen Rücksichten in eigener Kraft überwältigen muß und zu seiner Geltung nicht noch die Stütze berechnender Krämerklugheit suchen darf Das war ja eben der Fluch der alten Zeit, daß die alte Staatenwe isheit lehrte, erst klug und d ann gerecht zu sein. Darum hegte und pflegte man anerkanntes Unrecht, weil es Vortheil brachte, darum unterdrückte man anerkanntes Recht, so es Opfern forderte, bis der auf Unrecht erhobene und getragene Bau nun m Trümmern liegt. Und das ist ja eben der Segen des neuen Lichtes, daß die junge Völkerweisheit lehrt, erst gerecht und dann klug zu sein, daß Klugheit erst dann beginnen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.