Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 11 (August 1859)
- Article
- Villafranca und Kremsier
- Date
- 1859-08-01
- Page
- 607 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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von Di. M. Hirsch. 607 Gleichwohl haben wir, ihre Vertreter, bis jetzt geschwiegen. Ruhig harrten wir der immer fortschreitenden Entwickelung des Rechtsbewußtseins, dieser siegenden Gottheit in der Brust der Völker, und vertraute» mit Zuversicht daraus, das Recht Aller werde auch das Recht des Juden sein. Jeder Zweifel daran schien uns Versündigung an der Erleuchtung der Vertreter des Volkes, an der Gcrechtigkeit und Weisheit der neuen Leiter des Staates. Die Ntchterfüllung unserer Hoffnungen, die Verkennung unseres Rechtes schien uns eine Unmöglichkeit. Wir schwiegen, und Schweigen schien uns Pflicht, um so wehr, nachdem das Programm, mit dem das Ministerinin sein hohes Amt, das Manifest, mit dem Sc. Majestät die Regierung Ihrer Völker angetrete», die Gleichberechtigung aller Staatögenosscn feierlichst als ersten Grundsatz der neuen Staatsgestaltnng verkündet. Die vorbereitenden Sectionsberalhungen der Grundrechte, wie sie die Tagesblätter berichteten, haben uns jedoch schmerzlich aus unserer Zuversicht aufgeschreckt. Wohl bleibt dennoch unser Vertrauen auf die erleuchteten Einsichten und von Vorurtheil gekauterten Gesinnungen des hohen Reichstages im Ganzen unerschüttert, ein Vertrauen, das durch die, jener Vorberathungen ungeachtet, zur Verhandlung vorgelegten Grundrechte nur befestigt werden konnte. Allein wir fürchten dennoch, daß ein wenn auch geringer Theil der Volksvertreter einem noch hie und da vorhandenen Vorurtheile Rechnung tragen könnte, das auch jetzt noch die Juden von dem allgemeinen Rechtsboden ausschließen, den Grund zum neuen Rechtsstaat mit dem alten Unrecht legen, und, unbekümmert um die Verzwetflung so vieler Hunderitausende, unbekümmert um den Schrei der Entrüstung eines jeden Rechtschaffenen, unbekümmert um den brandmarkenden Tadel der ganzen erleuchteten Zeit, das Recht und die Freiheit nur für sich ausbeuten, und eben dauiit Recht und Freiheit für sich und Alle vernichten möchte. Diesem gegenüber glauben wir nicht länger schweigen zu dürfen; dürfen es nicht um des Vertrauens so vieler Hunderttausende, die unser Wort zumVertreter ihres Rechts gewählt, dürfen es nicht um unserer Söhne und Enkel willen, denen wiederum, vielleicht auf