Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 11 (August 1859)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1859-08-01
- Page
- 566 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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566 Die Unterrichtsaiisialt d. ist. Rel.-Ges. in Frankfurt a. M. des Lehrplans einer jeden guten allgemeinen Bildungsanstalt ist von Interesse, und doch ist deren Zahl eine verhältnißmäßig große, ihr Ziel ein beziehungsweise gleichartiges, die Schwierigkeiten stnd allen überwiegend gemeinsam, und vor Allem stehen ihnen die Ersahrungen einer langen Vergangenheit, wenngleich mehr warnend als lehrend, zu Gebote. Höhere jüdische Bürgerschulen stnd jedoch eine Schöpfung der neuesten Zeit; ihre Zahl ist eine verschwindend kleine, ihre Ziele unendlich verschiedene. Denn auch bet denjenigen, die princtptell auf demselben Boden stehen und demgemäß dasselbe Ziel anzustreben hätten, machen sich die Schwierigkeiten, die vermeintliche Unmöglichkeit sie zu überwinden und die daraus resulttrende Nothwendtgkett eines Compromtffes in einer Weise geltend, die die angestrebteu, ursprünglich identischen Ziele in einem Maße modifictrt, daß zwischen den Anstalten nicht nur eine Grad-, fondern eine in der Regel mit ziemlicher Schärfe hervortretende Artverschicdenheit besteht. Diese wird dann ex xost auch principtell zuerst gerechtfertigt, dann begründet, und nur die große Jugend der Anstalten und noch mehr der gänzliche Mangel einer aus die Grundprincipien der jüdischen Bildung zurückgehenden wissenschaftlichen Bearbeitung eines Lehrplans ist Schuld daran, daß wir nicht eben so viele Systeme als — Schulen haben. — Wir brauchen kaum zu erwähnen, daß die der jüdischen Schule als solcher sich darbtetenden Schwierigkeiten lediglich darin liegen, daß zu sämmtlichen Unterrichtsgegenständen, auf welche ihre nichtjüdischen Collegtnnen ihre ganze Zeit und Kraft verwenden, und in denen sie hinter diesen nicht zurückbleiben darf, für sie noch jenes verschiedene Fächer uiufassende Gebiet hinzukommt, das man kurz als das Hebräische bezeichnet. Ungelöst bleibt offenbar die Schwierigkeit, wenn man eines dieser Gebiete zum Vortheil des andern auf ein Minimum reducirt; noch unglücklicher wäre der Versuch ihrer Lösung, wollte man einfach zu der Unterrichtszeit" der allgemeinen Bilduugsanstalten so viele Stunden hinzufügen als zur Bewälttgung des uns eigenthümltchen Gebietes nöthig erscheinen. In jenem Falle wäre man wenigstens Einem Gebiete gerecht geworden, in diesem Falle keinem. Wie ist es also möglich, beiden Gebieten zu genügen, ohne die Unterrichtszeit in einem die Gesundheit, jedenfalls die Frische der Schüler verkümmernden Maße