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Jeschurun · 1859-07-01 · Heft 10 (Juli 1859) · p. 538

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 10 (Juli 1859)
Article
Zur Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus
Date
1859-07-01
Page
538 (sequence 2)
Language
German
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538 Zur Würdigung der Ansprüche deneue» Materialismus Kampfe zwischen dem Körper und dem Geiste. Allein Kampf zeigt unwiderlegbar Vcrschicdenarttgkeit an. Während wir also in allen Gebieten der Natur nur der vollkommensten Harmonie, der vollkommenstcn Homogenität, nur der vollkommensten Sclbsterhaltung begegnen, stoßen wir im vollkommensten Geschöpfe auf DiSharmonie, auf Heterogenität, auf Selbstzerstörung. Untersuchen wir genauer dir Quelle dieser Disharmonie, so finden wir fie nicht im Kampfe zwischen dem Körper und dem Geiste oder zwischen der Materie und dem Geiste, — denn die Materie, als solche, kann keine Aeußerung oder Erscheinung her- Vorbringen; die Expansion, Attraktion, Repulsion der Materie werden, selbst von den Materialisten, einer Kraft zugeschrieben, die Materie hat kein Streben folglich auch kein Widerstreben, kann also weder einen Kampf eingehen noch einen erzeugen, - * sondern einzig und allein in dem Widerspruche, der in der menschlichen Sensualität enthalten ist, welche ihrem Grunde nach, wie die thierische, eine stoffliche, zur Selbsterhaltung dienende Kraft ist, aber von dem menschlichen unendlichen, sich seiner selbstbewußten Geiste influirt, selbst mit der Unendlichkeit und des Bewußtseins theilhaftig und so zu einer die heterogensten Elemente enthaltende» Kraft wird. Nur also konnte Cleopatra sagen: delassata qui';em tum sed non satiata. Nur also wird es erklärlich, daß kinderlose Geizhälse noch in ihrem spätesten Alter ihre Schätze, die sie unmöglich noch verbrauchen können, durch überschwängliche Mühe zu vergrößeren suchen, ohne sie zu ihrem eigenen Genuß antastcn zu wollen. Ist aber die menschliche Sensualität schon dem Stoffe heterogen, um wie viel mehr muß der sich seiner selbst bewußte Geist ihm heterogen sein! Wir sagen stoffliche Kraft, weil selbst im Menschen dem den Stoff bildenden Vorgänge — der Plastizität — eine stoffliche, sich ihr er selb st unbewußte Kraft vorsteht. Im aufmerksamsten, scharfsinnigsten Beobachter geht die digeatio, nutrit.io, sanguificatio und reproduetio etc, ihm unbewußt vor sich. Diese in der weisen Einrichtung des Weltalls so beispiellose, so einzig in ihrer Art dastehende Disharmonie wird gehoben, ja wird in die vollkommenste, heilbringendste und beseligendste Harmonie umgewandelt, wenn der Geist — anstatt zu unterliegen — durch die, ans den heterogenen Elementen der menschlichen Sinnlichkeit nothwendig

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