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Jeschurun · 1859-07-01 · Heft 10 (Juli 1859) · p. 510

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 10 (Juli 1859)
Article
Thamus
Date
1859-07-01
Page
510 (sequence 2)
Language
German
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§12 ThamüS« HO oder für den Frieden entscheide. Zu den Zeiten des ersten Tem- Pels entschieden stch die Führer des Volkes für den Frieden auf Kosten der Wahrheit, lockten die Reichen und Vornehmen und mit ihnen alle die von ihnen Abhängigen, alle die durch ihren Einfluß Gegängelten mit hinein in dies System des lügenhaften Friedens und der friedlich sich schmiegenden Lüge und gewannen auch feile Rhetoren, mit dem Heiligenschein des Prophetenthums sich umgebende Prediger, die die Wahrheit zum Verbrechen, das System der Lüge zum Ausfluß der Wahrheit zu machen, den Zwiespalt mit Gott als Werk des Friedens im Himmel und auf Erden 'darzustellen und das Volk mit ihrem ״Friede!" ״Friede!" einzulullen hatten in den sorglosesten Schlummer am Abhange der Vernichtung. Da waren die Männer der Wahrheit die Störenfriede, die den Donnerkeil der Wahrheit hineinschleuderten in den lügendurchwobenen Kreis der Könige und Völker, da war ein Mtchajah mit seiner unliebsamen Wahrheit verloren in Mitten vierhundert in harmonischer Lüge zusammenstimmender höfischer Lügenpropheten und mußte den Wangestreich htnnehmen von der Hand eines Zidkijah ben Kenana. Da galt es zu ״sündigen und zu heuchle» wider Gott," da galt es ״abzusallen von unserm Gotte", da galt es ״den Treubruch und ״den Abfall zu predigen, zu producirenund zu deklamiren aus dem ״eigenen Herzen Worte der Lüge. Da ward das Recht zurückgestellt ״und die Pflicht blieb von ferne stehen; denn in den Straßen strauschelte die Wahrheit und das Gerade wagte nirgends den Eintritt. ״Da ward die Wahrheit zum Sonderling und der Unrechtscheue zum ״Verrückten. Das sah Gott, das war das Böse in seinen Augen, ״daß das Recht keinen Vertreter mehr hatte" (Jes. 59) — da Ward Gott sein Vertreter, da führte Er die Wahrheit herbei und zerbrach das Gewebe der Lüge und des Friedens. ״Die Wahrheit, aber nicht den Frieden^ stehtauf dem Leichenstein des zweiten Tempels. Wenn die Wahrheit gewahrt ist, dann steht unmittelbar in zweiter Linie der Friede. Wo der Friede die Wahrheit nicht verleugnet, nicht gefährdet, wo der Frieden nicht aus Kosten der Wahrheit zu erkaufen ist, da ist selbst in jenen getrübten Zeitläuften, in welchen die Wahrheit nicht allgemein angestrebt wirb, der Friede ein hohes Gut, dessen Wahrung und Förderung zur hohen Pflicht erwächst. Zur Rettung der Wahr-

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