Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1859)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1859-06-01
- Page
- 490 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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490 Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart. Endlich fiel ihr ein, ich sollte heute zu Ihnen gehen, Herr Meyer, z und Sie bitten, mir das Geld zum Zins leihen zu wollen. Weil j ich nun gar keinen Ausweg wußte und ich sonst mit Frau nndKinj der obdachlos werde, habe ich mir vorgenommen, Sie darum bitten - zu wollen. Nun kommen Sie mit diesen hundert Thalern! | ״Es ist wirklich Gottes Fügung, Schmul," erwiederte Herr S Meyer. ״Der verläßt Keinen. Die hundert Thaler sind mir übrigens;; von Jemandem geworden, der auch gar nicht wissen kann, was Ihr Beide gestern Abend überlegt habt. Hier nehmt das Geld und möge i es Euch zum Segen und Nutzen sein." I Freudetrunken nahm Schmul jetzt die hundert Thaler ohne 1: Weigerung; eine Thräne rollte ihm über die gebräunte Wange in | den starken schwarzen Bart. U Er war schon an der Thür, als er wieder umkehrte. ״Herr «- Meyer," sagte er, ״Sie müssen mir einen Gefallen thun, aber et- I nen großen Gefallen. Gott hat mich aus meiner Noth gerettet, er U hat mir gezeigt, daß man nie verzweifeln soll an seiner Gnade und U wenn auch die Noth noch so groß ist. Ich will auch dieses Glückes ן nicht unwürdig sein. Als ehrlicher Jude will ich Maaßer geben von f dem was mir vom Himmel bescheert ist. Mein Nachbar gegenüber ist ein sehr braver Mann, der zahlreiche Familie zu ernähren hat. Bet diesen schlechten Zeiten geht es ihm auch nicht besser als mir. \, Sie kennen ihn wohl, es ist Awrom Pollack. Wollen Sie ihm diese! zehn Thaler geben״ aber sagen Sie ihm ja nicht, daß sie von mir f kommen. Ich mochte das nicht gerne." l Herr Meyer nahm die zehn Thaler und versprach seine Bitte ן■ zu erfüllen. Er hatte Mühe seine Rührung zu verbergen. Es war Freitag Abend. Herr Abraham Pollack saß mit den Seinen an festlich gedeckter Tafel im hellerleuchteten Stübchen. Sein Familienkreis hatte sich vergrößert. Neben Sarchen saß Moses Callman. Die Sorgen waren von ihm gewichen. Freude, inniges Glück strahlte von seinem Gesichte. Mit dem Scharfblicke der Frauen hatte Rtwke längst das Ge-