Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1859)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1859-06-01
- Page
- 489 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Viertelchm. 489 ״Sagte ich es nicht vorher, Ihr verdient das Glück. Gott weiß sehr wohl, wem er es zuschickt." Herr Meyer ging^zur Thür und gal» den Auftrag, Schmul Gans rufen zu lassen. Unter vielen Danksagungen entfernte sich Pollack. Bald darauf trat Gans, den wir bereits bei Herrn Pollack gesehen haben, in's Zimmer. ״Ich habe einen Auftrag an Euch," sagte Herr Meyer. ״Da hat mir Jemand hundert Thaler mit der Weisung zugeschickt, sie Euch zu geben. Hier sind sie." Schmul antwortete nicht und machte keine Miene das ihm dargereichte Geld in Empfang zu nehmen. Starren Blickes schaute er Herrn Meyer an. ״Nun wollt Ihr nicht?" fuhr Herr Meyer fort. ״Ich habe die genaue Weisung die hundert Thaler Euch zu geben, seht hier sind sie." ״Herr Meyer, wer hat ihnen das gesagt," brach endlich Schmul heraus, ״Sie müssen es mir sagen. War meine Frau bet Ihnen? Hat sie es Ihnen gesagt?" ״Was meint Ihr," frug Herr Meyer erstaunt; ״was soll mir Jemand gesagt haben? Uebrigens habe ich Euere Frau lange nicht gesehen." ״Nein es ist nicht möglich," rief Schmul, ״es ist nicht möglich! Herr Meyer, woher wissen Sie, was ich gestern Abend zu meiner Frau gesagt habe?" ״Was Ihr gestern zu Euerer Frau gesagt habt, weiß ich wirklich nicht," entgegnete Herr Meyer, der sich das Benehmen des Mannes gar nicht zu erkläre wußte; ״aber wie kommt das hierher?" ״War meine Frau gewiß nicht bet Ihnen, Herr Meyer, bitte geben Sie mir Antwort." ״Ich versichere Euch, daß sie nicht hier war," sagte Herr Meyer. ״Nun dann muß es vom Himmel sein!" rief Schmul. ״Sie wissen Herr Meyer, wie sauer es unsereins jetzt hat, wie es oft Einem am Nothwendigsten fehlt. Gestern Abend nun sagte ich zu meiner Frau: Milke, ich weiß wirklich nicht, was wir anfangen sollen. Montag ist der Miethzins zu zahlen und ich habe noch keinen Heller dazu; die Kinder haben Zeug nöthtg und ich weiß nicht, woher ich das Geld nehmen soll. Meine Frau wußte auch keinen Rath.