Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1859)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1859-06-01
- Page
- 487 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Viertelchen. 487 zu setzen. Was könnte das anders sein, als Liebe, meinten seine College!! und verfehlten nicht ihn wegen seines so geheim gehakteneu Herzenleiden auf alle mögliche Weise.zu necken und zu verspotten. Er wußte auf diese Neckereien mit nichts Anderem als Stillschweigen zu antworten, höchstens brachte er es zu einem tiefen Seufzer. Hier in seinem Stübchen aber ließ er seinen Gefühlen freien Lauf. Wenn ich nur fünfhundert Thaler hätte, sagte er, — aber aus Nichts wird Nichts mehr als Nichts, das war immer wieder die fatale Schlußfolgerung, die sich mit grausamer, unerbittlicher Consequenz aus allen seinen Bctr tungen ergab. Der liebe Gott wird schon helfen, er verläßt keine ׳omme Judenseele, damit tröstete er sich endlich und beschloß seine Wanderung durch die Stube. Er zündete sich seine Lampe an, setzte sich an den Tisch und begann eifrig an den Kleidungsstücken zu ssi^en. Der Gedanke an Sarchcn wollte ihn aber nicht verlassen, von Zeit zu Zeit mußte er inne halten, um einen tief von Herzen kommenden Seufzer passiren zu lassen. Endlich hatte er seine Arbeit beendigt. Er stand aus, sagte Nachtleinen, löschte die Lampe aus und mit dem Gedanken an Sarchen begab er sich auf sein Lager. Der reiche Kaufmann Jakob Meher saß am Pulte in seinem Privatcomptotr. Viele und wichtige Arbeiten hatte er 311 erledigen. Nicht die Angelegenheiten seines großen Geschäftes waren es, die ihn so sehr in Anspruch nahmen. Seine strenge Rechtlichkeit, sein scharfer Verstand und seine Menschenfreundlichkeit hatten ihm das allgemeine Vertrauen in so hohem Grade zugezogen, daß viele der wichtigsten Aemtcr in seine Hände gelegt wurden. Unter Andern! war er auch Gabbai, Armenpsteger der großen/jüdischen Gemeinde, und stand als solcher speciell bei dem ärmern Theile der Gemeinde in hoher Liebe und Verehrung. Einer seiner s.jungcns Leute unterbrach ihn jini der Arbeit mit der Meldung, daß Abraham Pollack ihn zu sprechen wünschte. ״Lassen Sie ihn hereinkommen," sagte Herr Meyer.