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Jeschurun · 1859-06-01 · Heft 9 (Juni 1859) · p. 482

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 9 (Juni 1859)
Article
Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
Date
1859-06-01
Page
482 (sequence 3)
Language
German
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482 Klein« -Bilder aus der jüdischen Gegenwart. ter noch kein Judenkind in der Kille. Der liebe Gott wird schon Wetter helfen." ״Ja, das ist wahr," stimmte Schmul bei. ״Der Jude hat es doch immer noch besser. Da wohnt mit mir im Hause ein Arbeiter, der lange Christoph, dessen Kind ist gestern gestorben. Zwei Sinnden zuvor war der Arzt erst zum ersten Male da und sagte, dem" Kind fehlt weiter nichts als kräftige Nahrung und gute Pflege. Wo sollte Christoph aber die jetzt herschaffen? Er ist nicht zu Hause, die Frau ist beinahe auch tinmer außer dem Hanse, um etwas mitzu verdienen; — so ist das Kind also buchstäblich verkommen." ״Nein, so etwas kann doch bet uns nicht Vorkommen," entgegnete Awrom, während seine Frau, von dem Erzählten ergriffen, sich besorgt unwillkürlich nach ihren Kindern umsah; —״die Juden sind wirklich Bene Rachamonim und sorgen für die Armen. Als ich vortge Woche zufällig bei Jakob Meyer in's Comptoir, kam, war der Eisenhändler Fischer, welcher städtischer Armenvorsteher ist, bet Herrn Meyer und machte ihm Vorwürfe darüber, daß die Juden zuviel für ihre Armen thäten. Man leistet dadurch nur dem Müsstggange Vorschub, sagte er; die Juden sollten dafür sorgen, daß auch die Frauen mit für den Verdienst sorgten; in der ganzen Stadt ginge keine einzige Judenfrau zum Scheuern und Waschen aus. Was meint Ihr, was ihm Herr Meyer erwiederte? Sehen Sie, Herr Fischer, sagte er, das ist gerade das Glück bet uns Juden, daß die Frauen sich nicht als Scheuer- und Waschfrauen in unserer Gemeinde vermtethen, daß sie zu Haus bet ihren Kindern bleiben. Das ist eben der Grund, warum sich bet uns Juden die Armnth nicht von Vater auf Sohn forterbt, das ist der Grund, weßhalb in unserer großen Gemeinde sich keine jüdischen Spitzbuben und jüdischen Trunkenbolde vorfinden. Bet euch wachsen die Kinder der Armen ohne Erziehung und Aufsicht aus und man hat nur zu fragen, wer denn die große Zahl der unsittlichen Frauenzimmer bildet, wer die Gefängnisse füllt — die verwahrlosten Kinder der kleinen Leute sind es. Bet uns aber widmet sich selbst die ärmste Frau ihrem ersten, natürlichsten Berufe; sie ist wirklich Mutter ihrer Kleinen; sie wartet ihrer in der ersten Kindheit und sorgt für ihre Erziehung, zunächst für die häusliche/dann aber auch für den regelmäßigen Schulbesuch. Das ist unser Glück und nufer Stolz. Gehen Sie nur die hiesi-

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