Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1859)
- Article
- Jüdische Armuth und Wohltätigkeit in London
- Date
- 1859-05-01
- Page
- 420 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2932863-2932872-2943514--04619-2943566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
420 Jüdische Armuth und Wohlthättgkeit tu London. sie nicht blos für die physischen Bedürfnisse der Armen und die Erziehung ihrer Kinder, lieferten מצות für die jüdischen Soldaten und Gefangenen, sondern die ׳Summe reichte auch noch hin zur Bezahlung der Begräbnißkosten und Besoldung der Beamten. Wir wollen übrigens nicht übertreiben. Wir wissen sehr wohl, daß die Organtsation der französischen Gesellschaft die Pariser Gemeinde der Noth- Wendigkeit mehrere besondere Anstalten zu gründen überhebt, die wir in London nicht würden missen können. Wenn wir jedoch auch noch so viele Zugeständnisse machen, das Faktum bleibt stehen: daß das Wohlthätigkeitsbudget der Pariser für 1856 nur 5,240 £ betrug, während das der Londoner Juden nicht weniger betragen durfte noch konnte als 30,000 L. Wenn dieser Vergleich nicht eine große Verschwendung in unserm Systeme beweist, so zeigt er eine ungemeine Jlliberalität in dem unserer französischen Brüder; und doch wird das Letztere von Leuten die es kennen als ausreichend geschildert. So bietet sich unabweisbar die Frage dar: — Woher kommt es, daß unsere französischen Glaubensgenossen so Viel mit so wenigen, während wir so Wenig leisten mit so großen Mitteln. Die Lösung dieser Frage liegt in der Unzulänglichkeit unserer Einrichtungen. In erster Stelle verletzten wir bei unsern Wohlthätigkeitsbestrebungen den wichtigen Grundsatz jeder Oekonomie, zur Herstellung eines Gegenstandes nie größere Anstrengungen zu machen als zu seiner Realisirung erforderlich sind. Haben wir z. B. für arme verlassene Kinder zu sorgen, so sind wir nicht mit einem Gebäude und einer Erziehungseinrichtung zufrieden, nein wir müssen uns getrennte Anstalten unterhalten, wiewohl das Jew’s Hospital welches lange vor dem Orpbau Asylum (Waisenhaus) bestand, durch eine geeignete Einrichtung uns durchaus der Nothwendigkett überhoben hätte eine besondere Fürsorge für verwaiste Kinde? zu treffen. Man hätte denken sollen, dieselbe Küche, dieselbe Waschanstalt, dieselbe Feuerung und so manche andere Ausgaben, unbedeutend an und für sich jedoch von nicht geringem Betrage in der Masse, hätte für eine Anstalt hingereicht, die wenn auch in verschiedenen getrennten Abteilungen doch unter demselben Dache armen alten Männern und Frauen Schutz gewährt. Aber nein! Das würde ökonomisch sein. Wir müssen nothwendig zwei getrennte Anstalten und eine besondere Wohlthätigkeits-Gesellschaft obendrein