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Jeschurun · 1859-05-01 · Heft 8 (Mai 1859) · p. 414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 8 (Mai 1859)
Article
Jüdische Armuth und Wohltätigkeit in London
Date
1859-05-01
Page
414 (sequence 4)
Language
German
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414 Jüdische Arumth uub Wohlihätigkeit in London. wendigsten Bedürfnisse an Kleidung und' Nahrung. In vielen Fällen haben die Familienväter ihr Weib und Kinder verlassen; sie konnten weder Nahrung für sie schaffen, noch sind ffe im Stande ihre flehenden Augen und hungerdarbenden Blicke zu ertragen. In vielen, sehr vielen Häusern findet man den Vater, die Mutter mit fleben theils schon im Mannes- und schon welkenden Frauenalter stehenden Kindern, in einem kleinen finstern unmöblirten Zimmer, der einzigen Stätte auf Erden die fle die ihre nennen, im tiefsten Elend und Verlassenheit buchstäblich vor Hunger sterbend und kaum wissend, wo sie ihr Haupt niederlegen werden. Keinem von ihnen ist es gelungen Beschäftigung zu erhalten, nicht einmal um Matrosenhosen für 1ya Penny oder Hemden für 2s,2 Pence das Paar zu machen, ist ja an ihren eigenen kaum eine Nath zu finden. Und wenn gar das Glück, wie es vielleicht ein Mal in drei oder vier Wochen geschieht, ihnen lächelt, so verdient eine solche Familie von sieben oder acht Personen im glücklichen Falle fünf oder sechs Schillinge. Während der zwei Tage die ich unter diesen Unglücklichen zubrachte und mehr als hundert Familien besuchte, fand ich nur etwa vier oder fünf Familien nnter dieser ganzen Anzahl, die einen Wochenlohn von einem bis fünf Schilling erhielten; der -ganze übrige Theil vermochte nicht, so willig sie auch zur Arbeit waren und Beschäftigung suchten, sich welche zu verschaffen. Die Ausländer sind meistens Mützenmacher, Schneider und Glaser und haben zahlreiche Familien von kleinen Kindern. Die Zeit ist ihnen ungünstig; ihre Anzahl vermehrt die Concurrenz und diese führt unbedingt zum Hunger. Die Beispiele, die oben angeführt, stehen nicht vereinzelt da. In fast jedem Hause trifft man sie drei, vierfach an. Die Thatsachen können nicht entstellt sein, denn die Lumpen und der" fürchterliche Hunger sprechen für die schreckliche Wahrheit; die Wittwe und ihre verwaisten Kinder tragen in ihrem ganzen Aussehen die schrecklichen Zeichen des Hnngerleidens. Die Männer wie sie hülflos dasitzen in Mitten ihrer unglücklichen Familie verrathen durch ihre niedergeschlagenen wilden Blicke und abgehärmten Gestalten den letzten Todeskampf des Elends, seine Größe mißgönnt ihren eingesunkenen Augen die Thränen und die Stimmen ihrer Kinder ersterben aus purem Mangel an Kraft. Möge doch Keiner Ihrer Leser glauben, ich übertreibe

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