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Jeschurun · 1859-05-01 · Heft 8 (Mai 1859) · p. 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 8 (Mai 1859)
Article
Jüdische Armuth und Wohltätigkeit in London
Date
1859-05-01
Page
413 (sequence 3)
Language
German
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Jüdische Armut!) und Wohlthätigkeit in London. 413 ich durch all' die Gaffen, Straßen, Höfe und Gänge die sich dichtgedrängt zwischen BiBhopsgate und Spitalfields dahin winden. Worte sind nicht im Stande die schrecklichen Scenen, die Hunger, Armuth, die äußerste Verlassenheit, Schmutz, Krankheit und Noth meinen Augen besonders unter den fremden Juden darboten, und die engen vollgepfropften Orte am Ostende der Stadt erfüllen, zu schildern. Ei« ntge dieser Lokalitäten sind noch gepflastert, und wenn auch nacktes Elend im Hause weilt, ist der Eingang wohl noch rein und sauber. Laß dich jedoch nicht täuschen durch den äußern Schein. Ein Nachbar wird dir erzählen, daß die arme Wittwe drinnen vier Kinder hat, die fett 3 Uhr des vorigen Tages nichts gegessen haben. Treten wir ein in diese Jammerstätte des Wehes. Kein Feuer brennt im Kamine. Ein altes schwarzes Bündel liegt in einer Ecke des Zimmers, ungefähr 3' breit und 4' lang, bedeckt mit einem dünnen schwarzen Lumpen. Es ist bas Bett und die Decke der Wittwe und ihrer vier Kinder. Unter dem Fenster steht ein kleiner schwarzer Tisch, auf ihm in einem kleinen Topfe — als Emblem dieser Stätte des Elends — eine verdorrte hinfterbende Blume , auf dem j Brett zwischen dem leeren Heerd und dem Fenster ein alter zinnener Topf. Nirgends auch nur einen Krumen Brod. In der Mitte dieses düstern Zimmers steht das arme Weib schamvoll ihre spärlichen ärmlichen Lumpen zusammenhaltend, an ihrer Mutterbrust hält sie ein Kind aus ihrem Arme; sein Kopf hängt lautlos über ihre Schulter herab; es kämpft offenbar zwischen dem letzten Halt den der hungerdarbenden Mutter Liebe seiner schattenähnlichen Gestalt gewährt und der äußersten Verzweiflung des Elends. Thränen sind der Mutter und des Kindes einzige Nahrung. Das letztere blickt auf dich ohne das Leben und das Feuer der Kindheit. Mangel ist ihr Vater und Elend ihre Mutter, was für Freude können solche Kinder haben! Sie haben seit 24 Stunden nicht das Mindeste gekostet! Die Mutter hat ihr letztes Unterkleid verpfändet und giebt sich jetzt der Verzweiflung hin. Sie spricht nur schlecht englisch und noch weniger versteht sie. Wir gehen in den ersten Stock desselben Hauses hinauf und finden zwei Familien in zwei kleinen. Zimmern, ebenso' dürftig und ärmlich wie das eine unten. Im zweiten Stocke zwei andere Familien in denselben Umständen. Jede hat zwei oder fünf Kinder, alle gleich entblößt der noth- 2s

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