Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 7 (April 1859)
- Article
- Deutschland : die preußischen Kammerverhandlungen [Nachricht]
- Date
- 1859-04-01
- Page
- 390 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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390 keine besonders bevorzugte Berücksichtigung beanspruchen dürfen: so mag es denn doch den Juden, und namentlich den Eltern der Anden überlassen werden, ob sie sich auf viese Aussicht einlassen wollen. Dann aber giebt es eine Menge Stellen, für welche die juristische Vorbildung mehr oder weniger Bedingung ist, wie Communalämter und viele Stellen der Verwaltung. — Die von nur eben angeführten Gründe reichen für mich hin, für den Kommissions-Antrag zu stimmen. (Forts, folgt.) Berlin, März 1859. Im Hause der Abgeordneten petitiontrte Moritz Mamroth und 29 Genossen in Posen: ״das gegen die jüdischen Wahlmänner deS Posener Wahlkreises resp. gegen die Juden desReg.- Vez. Posen vor und nach der Wahl und in Beziehung zur Wahl von dem Regierungspräsidenten v. Mirbach eingehaltene Verfahren einer genauen Untersuchung zu unterwerfen, und dahin zu wirken, daß derselbe zur Verantwortung gezogen werde." Nach Angabe der Petenten hat der Regierungs-Präsident v. M. ein amtliches Circular an sämmtliche städtische Beamte und Lehrer in Posen erlassen, worin es hieß, die Regierung erwarte, sie würden entweder ״im Sinne der Regierung" stimmen, oder sich der Abstimmung enthalten; andernfalls behalte sich die Regierung das Weitere vor. Was Herr v. M. unter ״im Sinne der Regierung" verstehe, erhelle (sagen die Petenten) daraus, daß er später an der Spitze des Centralcomii^s für ״conservative" Wahlen als Kandidaten den der Stahl-Gerlachsschen Partei angehörenden Landrath v. Reichmeister und den derselben sehr nahestehenden Gutsbesitzer Mollard in Vorschlag gebracht habe. Die jüdischen Wähler hätten natürlich die Wahlen solcher Männer vereiteln müssen, die ״nach ihrer bisherigen parlamentarischen ThätigkeiL die schrankenlosesten Feinde der bürgerlichen Gleichstellung der Juden gewesen." Ferner habe Herr v. M. in einer Vorversammlung, auf das Gerücht hin, daß die Juden vielleicht mit den Polen stimmen würden, ״mit drohender Geberde" die Worte gesprocheu: ״wenn sich die Juden das unterstehen, so soll es ihnen theuer zu stehen kommen" — Worte, welche gehört zu haben der Justizrath Tschuschke an Eidesstatt versichert. Bei der Wahl sind die ״conservativeu" Kandidaten unterlegen. Nach der Wahl sei von der Posener Regierung gegen die Juden in einer Weise verfahren, daß"'man einen ״ursächlichen Zusammenhang" mit jener Drohung darin finden müsse. An einem Tage (18. Dez.) seien vielen jüdischen Hausbesitzern in Posen Kapitalien, die zur ersten Stelle eingetragen, ohne Angabe irgend eines Grundes gekündigt. Ferner seien durch Circularerlaß vom 12. Dez. sämmtliche Landräthe angewiesen worden, bei der Ertheilung von Gast- und Schankwirthschafts-Concessionen an Juden immer erst die Genehmigung der Regierung selbst eiuzuhvlcn. Die Kom- Mission ist der Ansicht, die Petenten hätten sich erst an den Minister des Innern wenden müssen, und empfiehlt daher Tagesordnung. Berlin. Das Kriegsministerium hat sich unterm 3. v. M., bei Gelegenheit der Special-Eingabe eines schlesischen Rabbiners, über die Bch-einng jüdischer Soldaten vom Dienste während der jüdischen Feiertage