Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 7 (April 1859)
- Article
- Aus Norddeutschland
- Date
- 1859-04-01
- Page
- 370 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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370 Aus Norddeutschland. HL Aus des Vaters Munde sollte das Kind die ewige Güte des All- Vaters vernehmen, an seiner Hand zum Erbthetl der Gemeinde Jakobs geleitet werden, aus seinem ״Wandel", in seinem ״Gehen" und ״Sitzen" die Ausübung der Gebote erlernen, in ihm ein Muster und Vorbild erblicken. Sehen wir ab von dem Unterrichte des Vaters, nehmen wir auch die Schule als die Lehrerin des zum Selbstbewußtsein herangereiften Kindes an, so wollen wir das jedoch, ehe wir uuscrm Vorsatz getreu einige Winke über die Erziehung in Instituten geben, sesthalten, daß das Elternhaus der ureigentlichc Boden zur naturgemäßen Entwickelung der Kinder ist. Hier können alle Kräfte zur Entfaltung kommen, die Neigungen werden geleitet, das Gemüth wird erwärmt und für das Gute und Edle empfänglich gemacht. Hier erschließt sich ihm die Poesie des Lebens, die Tage der Ruhe und des Festes nüt ihrem heiligen Glanze, die Familienfeste, kurz die wonniglichen Momente alle, die ein glückliches Familienleben bietet. Wer möchte sie alle aufzählen, die Eindrücke, die unvergänglich sich in die unbeschriebenen Tafeln des Herzens etngraben? Nur wer das unnennbare Verlangen und Sehnen, das den Fernweilenden beim Gedanken an die Heimath ersaßt, zu deuten weiß. Die Ertnnerung an das Elternhaus, der Gedanke an die seligen Stunden, die dort verlebt, ist mehr als ein reiner Genuß; es ist ein unverwüstbarer Schatz, den der Mensch mit ins Leben nimmt; es ist ein Glanzpunkt, zu dem er immer wieder von Neuem hinschaut. Wie Manchen hat nicht ein leiser Klang zurückgcleitet aus den Jrrgängen des Wahns und des Lasters, zum Pfade der Tugend und Frömmigkett; wie Manchem hat nicht ein Schall aus der Kindesheimath den Giftbecher der Verderbniß vom Munde gezogen und ihn dem Leben-wiedergeben. Sehet jenen Jüngling der mit Ungestüm sich in die Wogen der Lust und des Genusses stürzt, daß sie brausend ihn zu verschlingen drohen, redet mit ihm von seinem Elteruhause, und das wilde Auge blickt ruhig, der Sturm schweigt, die Leidenschaften verstummen und er schwelgt in seliger Erinnerung. Oder jenen Greis der seit Jahrzehnten mit dem Judenthume gebrochen, durch die Philosophie der Verzweiflung alle mahnenden, inneren Stimmen ertödtet — 'redet mit ihm von seiner Kindheit, erinnert ihn au die Sabbathstunden, an einen Sederabend und Wehmuth wird ihn