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Jeschurun · 1859-02-01 · Heft 5 (Februar 1859) · p. 259

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 5 (Februar 1859)
Article
Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
Date
1859-02-01
Page
259 (sequence 2)
Language
German
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259 Ein Opfer. j tönte die Glocke zum zweiten Male. Ich konnte nur ein rasches Abj schiedswort an ihn richten, das er aber kaum beachtete, und eilte in j das Conpö. Die Locomotive pfiff; ich hatte M. im Nücke».! Lange beschäftigte mich das Bild der ohnmächtigen schonen z Frau und die plötzliche tiefe Bewegung, die meinen Reisegesellschafj ter bei chrcm Anblicke ergriff. Ich erging mich in tausend Vermuthungen, für welche ich doch weiter keinen Anknüpfnngspuirkt hatte, als die eben erlebte Scene, da ich von meinem Gefährten weiter nichts wußte, als daß er Kaufmann und aus New-Uork sei und jetzt seine Eltern besuchen wollte. Ich kam in Hamburg an und meine Angelegenheiten dort nahmen mich so in Anspruch, daß ich bald nicht mehr an meinen Reisebegleiter und die ohnmächtige Dame dachte. Vergangenen Sommer befand ich mich im Bade. Ich traf dort meinen Freund Goldthal aus B., der sich mit mir über unser zufälliges Zusammenkommen sehr freute. Wir logirten uns zusammen ein und suchten uns die Langeweile eines Badeaufenthalis durch Excnrsionen in die romantische Umgegend zu vertreiben. Eines Tages hatten wir uns eine entlegene wilde Gebtrgsparthie ausgewählt. Kein Mensch war uns begegnet. Als wir auf dem Heimwege be- : griffen waren, erblickten wir in einer Felsengrotte zwei Damen, j ״Die Damen haben sich vielleicht hier verirrt," sagte ich zu Goldthal, ״kommen Sie, wir wollen ihnen unsere Ritterdienste anbieten." Wir wandten uns der Grotte zu. Die eine der Damen stand in vorgerückten Jahren und wenn man ihr Alter und ihre einfachere! Kleidung mit ihrer Begleiterin, einer blassen, schönen, elegant ge-! kleideten Frau verglich, so kannte kein Zweifel sein, daß sie die j Gesellschafterin der Jüngeren sei. Wir kamen näher; mein Freund zog den Hut und wir gingen an den Damen vorüber, was mich einigermaßen verdroß, da ich bereits den Apparat meiner ritterlichen z Galanterie hervorgesucht hatte, den ich jetzt als überflüssig für mich; behalten mußte.;! ״Sie kennen die Damen?" fragte ich Goldchal. f ״Sie sind auch aus B., entgegnete er. Es ist die Frau Com- I merzienrath R. mit ihrer Gesellschafterin. Die kennen die Wege hier J besser als wir."

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