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Jeschurun · 1859-02-01 · Heft 5 (Februar 1859) · p. 230

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 5 (Februar 1859)
Article
Schewat
Date
1859-02-01
Page
230 (sequence 2)
Language
German
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230 Schewat. gedenkt, die schlummernd unter der Hülle des Winters ruhen und dem sonnigen Strahl entgegenharren, der sie zu Leben und Kraft und zur fruchtreichen Entfaltung wecken wird, die in dem Winter die Wiege des kommenden Frühlings, nicht aber das Grab des vergangenen Sommers erblickt, — welch' ein unendlicher Trost liegt in dieser Betrachtungsweise und wie sehr beschämt sie uns Alle, die wir in dieser Winterszeit des jüdischen Lebens verzweifeln und die Hoffnung aus Wiederauferstehung verlieren, weil wir noch kaum die ersten Keime einer solchen Hoffnung gewahren! ר״ה לאיכות, Neujahr der Bäume, steht doch in unser»! Winterkalenber am 15. Schewat verzeichnet, und selbst dieses Jahr, wo doch der Frühling noch so fern, wird uns das Herz weit sobald der 15. Schewat gekommen, wittert das Herz nach einem lauen Luststrom als Vorgruß des kommenden Frühlings, und späht das-Auge nach einem schwellenden Keim am Baum als Wahrzeichen der doch bereits beginnenden Frühlingsarbeit des Jahres. Und mit unfern geistigen Hoffnungen sollten wir trostlos bleiben, wenn der Winter unserer jüdischen Zeitentwickelung so lange dauert, sollten kein Auge haben für die wie immer spärlichen Keime, die doch bereits uns sagen könnten, siehe der Winter geht doch auf die Neige, das Bessere und Wahre hat doch seine Kraft noch nicht verloren, und es lebt ein Gott, ״Dessen Ausgang so gewiß wie der Morgen, Wie der Regen kommt er uns Und wie das Frühlingsnaß, Das die Erde tränkt!" (Hosea 6.) Daß es für die jüdischen Hoffnungen noch tiefer Winter ist, wer wollte,, wer dürfte das leugnen! Es thäte wahrlich nicht gut, sich über die Wahrheit unserer Zustände zu täuschen, nicht gut, das Auge über das Vielfache zuzudrücken, das unfern Hoffnungen von ffo vielen Seiten entgegensteht, nicht gut, uns für gesünder zu halte,., als wir sind. Denn eben die Erkenntniß unserer Gebrechen und der Schmerz über unfern Verfall sind selbst die ersten Bedingungen vernünftiger Hoffnung aus bessere Zukunft. Allein noch weniger gut wäre es, über das vielfache Herbe des Bessern und Guten zu vergessen und in dumpfer und stumpfer Verzweiflung keine Hoffnung zu nähren und der jüdischen Sache nur wie einer verlorenen zu gedenken.

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