Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1859)
- Article
- Deutschland : vom Main [Nachricht]
- Date
- 1859-01-01
- Page
- 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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226 und dessen NabknnaLscollegium, und unter dessen Leitung einen Abgeordneten zur Ueberreichung des Scheidebriefs beordere; daß in Amerika aber mir kein Nabbinatscollegium, sowohl in orthodox-religiöser Beziehung, als bezüglich der rituellen Kenntnisse in derart bekannt sei, daß ich, ohne Verletzung meines Gewissens, dasselbe mit obiger Scheidungsangelegenheit betrauen könnte. Eingangsgenannter wird Vorstehendes den dortigen Cultusmitgliedern geeignet bekannt geben. Würzburg, iw Dezember 1858. Der Distrikts-Rabbiner Seligman Bär Bamberger." ... Würzburg, 28. November. Zu der am 22. und 23. d. M. abgehaltenen Raböinats-Prüfung hatten sich 6 Candidaten gemeldet, von denen der eine ein Ausländer; die Prüfung wurde von dem Herrn Rabbiner Adler aus Aschaffenburg — Herr Rabbiner Bamberger von hier war verhindert, weil ein Sohn beim Examen betheiligt war — und zwei Professoren der hiesigen Universität vorgenonrmen. Als ein erfreuliches Zeichen wollen wir es begrüßen, daß der ersten, die vor 2V2 Jahren stattgefunden hat, schon jetzt eine zweite folgte; während vorher mehr als ein Decennium verfloß, ohne daß von einer Rabbiuats-Prüfung verlautete. — Aufmerksam möchte ich beiläufig auf das in mancher Beziehung charakteristische Ausschreiben der königlichen Regierung zur Anmeldung machen. Neben den Zeugnissen über Wissenschaftliche und talmudische Ausbildung wird von den Herrn Rabbinats-Candidaten eine amtliche Bescheinigung gefordert, daß derselbe einen untadelhaften Lebenswandel geführt und besonders — — keinen Schacher und Wucher getrieben! Einem jungen Manne, der seine Jahre iw Studium des Talmuds verbracht und, ich sage nicht zu viel, mit der Austenwelt selten in Berührung gekommen, dem wird in dem Augenblicke, wo er als selbstständiger Lehrer und Leiter der Gemeinde austreten will, höhern Orts zugerufen: Halt! Du hast zwar studirt und nicht gehandelt, aber du bist ein Jude und deßhalb können wir nicht wissen, ob du dennoch nicht gewuchert; bringe ein amtliches Zeugniß, daß du — keinen Schacher und keinen Wucher getrieben. So und nicht anders könneu wir eine solche Forderung deuten! Verlangt man ein Gleiches auch von christlichen Theologen?? Derartige Bestimmungen sind zwar nicht folgenreich und ins Leben greifend, aber jedenfalls entwürdigend, das sittliche Gefühl verletzend und setzen die Juden in den Augen ihrer Mitbürger herab. Bei der seltenen Gelegenheit Erfreuliches zu berichten, darf ich wohl die Bekanntmachung des Frh. von Rost nicht unerwähnt lassen, der zufolge die genehmigte Stiftung für Ausbildung von Lehrlingen auch den Juden zu Gute kommen soll, so daß immer in gleichen Verhältnissen 45 pCt. des katholischen Glaubens, 45 pCt. des protestantischen