Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1859)
- Article
- Die sog. jüdische Orthodoxie und die Rückwärtsbestrebungen der Jetztzeit
- Date
- 1859-01-01
- Page
- 214 (sequence 7)
- Language
- German
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214 Die sog. jüdische Orthodoxie wahrt, das sich etwa in seinem Innern erheben wollte; das in solcher Weise die lebensvolle Kraft der Gesammtheit zu schützen bestrebt ist: es hat endlich keine Stätte für gleisncrischen Pietismus unb Jesuitismus, in welcher Gestalt auch immer er die Geister und Gemüther der Menschen mit den widerlichen Idealen der eignen Unvollkommenheit zu vergiften sich erhebt. Es weiß nichts von jener Scheinheiligkeit, die sich zwischen den freien Mann und die Ideale der Menschheit hincindrängt, die das Edelste im Menschen, seine sittlichen Princtpten als Handhaben für Bestrebungen mißbraucht, die oft die größte Höhnung eben der Sittlichkeit sind; die selbst für das schwärzeste aller Verbrechen, den Seelendtebstahl — wie wir das ja in der neuesten Zeit erlebt — noch die beschönigenden Worte der ״Religion" zur Hand hat.Dasaltesog.orthodoreJudcnthum hat ebenso auch nichts von jener confessionellen Beschränktheit, die sich als alleinigen Pächter jeden Heiles — und wohl gar auch des jenseitigen - auf Erden gerirt. Es fagt nicht extra me non est salus, sondern erklärt jeden braven sittlichen Menschen, welche sog. Confession er auch im Leben bekennt, als auf derselben Höhe des Verdienstes und des Heiles stehend, wie die zu ihm zählen. Es weist deßhalb auch überall auf das tiefste Eindringen iu die Natur- und Menschengeschichte hin und anerkennt und begrüßt freudig jedes Körnlein von Wahrheit, jeden Keimpunkt des Edlen und Sittlichen, wo und auf welcher Seite auch immer — sei es im alten Heidenthum der Vergangenheit, sei es auf der Höhe des jetzigen Jahrhunderts — es ihm entgegentritt. Das ist das ״Wahlprogramm" der sog. orthodox-konservativen Partei im Judenthume!! Sv steht also endlich auch die sog. ״jüdische Orthodoxie" rein da und weist jede Solidarität mit den htcrarchisch-pietistischen Bestrebungen zurück, mit denen man sie zusammenwerfen wollte. — Wenn wir selbst schon mit diesen wenigen Zügen, die uns auch nur in den allgemeinsten Umrissen zu skizzircn gestattet war, offen dargethan zu haben hoffen dürfen, daß die sog. orthodoxe Partei im Judenthum fern und rein von jeder Solidarität, vielmehr im diametralsten Gegensaß zu all' den Rückwärtsbestrebungen dasteht, die sich im socialpolitischen und geistig-religiösen Leben des deutschen Vaterlandes in der Gegenwart zur Geltung bringen wollen: so dürfte die Frage