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Jeschurun · 1859-01-01 · Heft 4 (Januar 1859) · p. 199

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 4 (Januar 1859)
Article
Der Bologneser Kindesraub
Date
1859-01-01
Page
199 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Der Bologneser Kindesraub. 199 geharrt; an den verkohlten Gebeinen meiner Kinder, an meinen zcrstörten Hütten haben stch Aberglaube und Dummheit bewährt, ich aber bin trotzdem geblieben als unerschrockener Verkünder einer besseren Zukunft, in welcher diese Gräuel geendet, in welcher Menschenltebe und Menschenwürde und Mcnschenachtung zur Geltung kommen; als muthiger Bekämpfe! der Gewalt, die mich mißhandelt, der Barbarei, die mich zerfleischt, des Aberglaubens, der mich gemartert; — ich trete zu jeder Zeit als Ankläger gegen sic aus und bleibe Sieger, so gewiß die Sonne Siegerin bleibt über die feindlichen Gewitterwolken und der Tag siegreich aus dem Kampfe mit der Nacht hervorgeht. Dieser Zeuge, dieser ewige, unsterbliche Verkünder, dieser unerschrockene, muthige Kämpfer, dieser siegreiche Held — es ist das jüdische Volk. Die Zeiten ändern sich; das Dunkel weicht; Morgenroth zeigt sich am Firmamente. Ist dieses Morgenroth die vom Juden verkündete goldene Zukunft? Ist der Fanatismus verschwunden? Wird die Gewalt nicht mehr mißbraucht? Sind Freiheit und Recht, Menschenliebe und Menschenachtung keine leeren Schälle mehr? Hat der Ankläger keine Klage, der Zeuge kein Zeugniß mehr gegen Aberwitz und Unterdrückung vorzubrtngen? Kann der Kämpfer sein Schwerdt ruhen lasten rurd auf seinen Siegen ausruhen? Diese Fragen richtete die Zeit in verschiedenen Perioden beim Beginne einer neuen Aera an das jüdische Volk und das jüdische Volk hat immer mit: ״Nein!" geantwortet. — Wohl hat sich das Dunkel gelichtet und der Fanatismus von seiner Macht eingebüßt, wohl athmet die Menschheit aus freierer Brust, wohl grüßt sie ein freundlicher Schimmer am Himmel; —jedoch die Zukunft, die ich derkünde, ist noch nicht da. Noch sind nicht die Schwerdter der Gewalt zu friedlichen Winzermessern geworden, noch darf das Lamm nicht wagen neben dem Leopard zu ruhen, noch hat man die blutige Kriegskunst nicht verlernt. Mitternacht ist vorüber und der Schimmer am Himmel ist das Morgenroth der Zukunft, — meine Zukunft aber strahlt in einem herrlichern Lichte, wärmt mit sanfterer Wärme. Die Menschen aber wollen nicht hören auf diese Rede des jüdischen Volkes und auch viele seiner Söhne halten die lauen Zephire für wärmende Sonnenstrahlen, den rosigen Schimmer für Helles

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