Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 2 (November 1858)
- Article
- Nach Jerusalem! [Rezension]
- Date
- 1858-11-01
- Page
- 93 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Ww. Ang. Fr riik!. 93 Aussprechen seiner Ansichten flößt auch dem Andersdenkenden eine gewisse Achtung ein; Falschheit, Heuchelei aber macht den Irrenden, den im Wahn Befangenen verächtlich: denn eben durch das Bemänteln seiner Gesinnung, durch das Verdecken seiner wahren Absichten legt er das Zeugnis) ab, daß er in der Wirklichkeit gar nicht irre, daß er vollkommen sich seines Unrechtes bewußt sei und das Unrecht mit voller Ueberlegung übe. Wir befinden »ns in Zcrusalem, dem Ziele unserer Reise. Dergegenwärtigen wir uns hier den Zweck dieser Reise. Eine Ktnderbewahranstalt in Jerusalem zu gründen, das ist die Aufgabe,welche zu losen Herr Frankl die 'Reise unternommen, und zwar soll die Anstalt zunächst für jüdische Kinder bestimmt sein. Wahrlich eine schöne Mission ist es, armen, bildungsbedürftigen Kindern materielle und geistige Nahrung zu bringen; wer wollte so wahnwitzig sein, die Gründung einer solchen Bildungsanstalt für sündhaft, für unjüdisch zu erklären? Wem würde cs wohl im Traume einfallen, daß dieses Unternehmen von jüdischer Seite angeseindet, verketzert werden könnte! Wem? — Den) mit der Gründung Betrauten selbst. Derselbe hat es nämlich nicht für überflüssig erachtet, sein Unternehmen von fünf europäischen ״jüdischen ״Chachamin" — ״Weisen" — ״deren Gelehrsamkeit und streng religiöse Observanz über allen Zweifel erhaben sind" begutachten und enipfehlcn zu lassen. Und wahrlich er hatte gegründete Ursache dazu! Dokumentirt sich doch schon hierin, daß er selbst sich für unfähig, für ungeeignet hielt, diese Aufgabe glücklich zu lösen, daß er selbst etnsah, wie die Hände, die dieses Geschenk der Zionsstadt bringen sollten, nicht rein, die Gesinnung eine unjüdische sei, wie er selbst nicht berufen sein könne, diese ״nationale Aufgabe" zu vollfü?)ren. Bedarf es noch etner Empfehlung, um den Armen zur Annahme eines Geschenkes zu bewegen, spricht das der Armuth sich liebevoll öffnende Herz nicht eindringlich genug — konnte das Werk nicht für sich selber reden? Welche Fürsprache erheischt denn die Gründung einer Schule, in welcher die Jugend zu wackeren Jude», zu tüchtigen Menschen ge-