Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 2 (November 1858)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1858-11-01
- Page
- 91 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932863-2932866-2942899--04123-2942963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Federzeichnungen- 91 erfolgter Verbindung die Häuslichkeit — des Gasthauses kennen lernt, wenn es nicht die gemüthlichc Behaglichkeit des traulichen Beisammenseins am häuslichen Heerde kostet, sondern die Schönheiten und Nerze einer fremden Stadt, eines fremden Landes geuießt; — diese Fragen dürften unschwer zu beantworten sein. Ob aber mit der züchtigen Verhüllung des Haarschmucks, den sieben Segenssprüchen und den sieben Tagen der Feier nicht ein Theil des innigen Gefühls der Häuslichkeit, ein Theil des alten Glanzes, den das Haus umgab, entwichen ist; ob unsere Ehe heiliger, unser Familienleben inniger, unsere Häuser gemüthlicher geworden; ob unsere Frauen ihre Pflichten als Gattin und Mutter besser erfüllen, unsere Männer treuere Gatten und liebevollere, sorgsaniere Väter werden? — — o, daß diese Fragen noch Fragen wären! Mit der Vernachlässigung des Judcnthumö und der sinnigen jüdischen Sitten haben wir Vieles eingebüßt, Vieles, das uns nach Außen adelte und im Innern kräftigte. Daß der alte häusliche Sinn geschwunden, daß unser Haus uns nicht mehr das ist, was es den Vätern war: der Inbegriff des ganzen Erdenglücks, daß wir die ernstheitere Anschauung und richtige Würdigung des Lebens verloren — das ist sicherlich nicht am Wenigsten mit zu beklagen.