Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 2 (November 1858)
- Article
- A. Haesters' Lehr und Lesebücher für israelitische Schulen [Rezension]
- Date
- 1858-11-01
- Page
- 71 (sequence 5)
- Language
- German
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2. DaS Scfiv- und Lesebuch. 71 wickeln und auszubilden, wir sollen durch das Judenthum immer neugeboren und erzogen werden, wir sollen uns an ihm entwickeln und von ihm in immer vollendeterem Maaße unsere Bildung empfaugen. Nicht das Judenthum, wir sind heutzutage in einer Ent- Wickelung begriffen, sind in Losung der großen Aufgabe begriffen: in dieser neuen, freien, dem Judeuthume befreundeten Zeit die ganze Fülle des alten, ungeschmälerten Judenthums in den neuen mannichfachen Verhältnissen des bewegtem Lebens der Gegenwart zur vollen Verwirklichung zu bringen. Wir haben uns in dieser Aufgabe zu entwickeln, unsere neuen Lebensverhältnisse immer voller und treuer den Anforderungen des alten, ewiggültigen Judenthums gemäß zu gestalten. Da wäre cs aber die kläglichste, alle Hoffnung auf eine gedeihliche Losung dieser Entwickelung vernichtende Verirnmg, wenn man uns nun einreden wollte, nicht wir hätten uns durchs Judenthum, sondern das Judenthum hätte sich durch uns zu entwickeln, nicht hätten wir unsere neuen Lebcnsverhältnisse dem Judenthum gemäß zu gestalten, sondern es hätte sich das Judenthum unseren neuen. Lcbensverhältnissen anzupaffen, umzugestalten, und hätte erst durch diese neue Zeit neuen Geist und neue Normen und neue Formen zu gewinnen! — — Kennt ihr das Bild, wo ein Säugling mit Fallhütchen die alte Mutter am Gängelband führt und gehe» lehrt? Das wäre das Bild unserer modernen Weisheit! Wir wissen aber auch nichts von einer solchen vorwiegenden Hervorhebung wesentlicher Kernlehren, nichts von einer solchen Scheidung des Sittlichen und Confessionellen im Judenthum. Alles Confessivnelle im Judenthum ist sittlich und alles Sittliche in ihm ist confcsstonell. Da ist keine leiseste Fuge des spectfischsten Jüdischeu im Zudenthume das nicht sittlich wäre, das nicht im innigsten Zusammenhang mit unserer Sittlichkeit stünde, daö uns nicht קרושה und טהרה, das uns nicht Heiligung und Läuterung, Heiligkeit und Lauterkeit bringen will, und eben das, was in Anschauungen wie die des Verfassers, im Gegensätze zum Sittlichen, das specifisch Confefftonelle heißt, wie z. B. die Chuckim der Speisegesetzc u. s. w., kündigt sich in vorderster Linie ganz eigentlich als Grund- und Vorbedingung aller sittlichen Vollendung und Freiheit an. Und ebenso giebt cs auch für die jüdische Sittlichkeit keinen andern als den confessionelleu Boden. Im Namen der Einen heiligen Bundesverpflichtung tritt die eine wie