Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1858)
- Article
- Tischri
- Date
- 1858-10-01
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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6 Die beiden Loose. Sind das nicht die beiden Wege, die einem Jeden von uns offen stehen? Ist das nicht die lauteste, feierlichste, eindringlichste Proklamation des großen Grundsatzes, mit welchem das ganze gottltche Gesetz und unsere Heiligung steht und fällt, des großen Grundsatzes der בחירה, der Freiheit, mit welchem einem Jeden von uns die eigene Zukunft in Händen gelegt ist, mit welchem wir selber uns 'ר*? oder לעזאזל bestimmen? Und wenn es dies ist, welche inhaltschwere Wahrheiten werden uns dann mit einem jeden Schritte dieser Handlung und mit jedem Satze ihrer Bestimmungen gepredigt! Zwei Wege sind vor uns offen, der eine heißt ^לר, der andere לעזאזל — Der Weg 'לד beginnt mit Selbstopfernng, mit Aufgcbnng aller Selbstständigkeit, mit Berzichtleistuug auf jedes eigenwillige, selbstsüchtige Sein, mit freiwilliger Dahingebung eines jeden Blutstropfcns, eines jeden Pulsschlages an, Gott und das Heiligthum Seines Gesetzes. Es scheint ein Sterben und ist der Eingang zum ewigen Leben, es scheint ein Verlorengehen und ist der Eintritt in ein höheres, reineres, wahreres Sein, es scheint ein Verzichten und ist die Gewinnung der höchsten Guter, cs scheint eine Knechtung und ist die Erringung der wahrhaftigsten Freiheit — das thiertschc, gebundene Leben stirbt, aber es stirbt für die Aufnahme in das Hetligthum des göttlichen Gesetzes, und vom göttlichen Gesetzcsheiligthum empfangen, lernt es sich zum ״Träger", ״Wahrer" und ״Vollbringer" des göttlichen Willens aus Erden hinzugeben, lernt es, im Gesammtvcrein aller seiner Mitgcnosscn, alles ״geistige" und ״leibliche" Leben in die Vollendung zum ״göttlichen Wohlgefallen" aufgehen zu lassen! Der Weg לעזאזל beginnt mit Erhaltung der Selbstständigkeit, mit Wahrung des thierischen Seins, mit starrer Verneinung aller Aufopferung und Hingebung, mit ängstlichem Meiden alles Verliercns und Sterbens, mit hartnäckiger Verleugnung aller Ansprüche eines Höheren, Heiligen, — mit spöttischem Belächeln aller Derer, die, sich versagen was sie zu gewinnen, die sich versagen was sie zu genieße» vermöchten, die bereit sind Güter und Kräfte, Gut und Blut hinzugeben für Zwecke, die ihnen nicht wuchern, die den Weg der scheinbaren Verkümmerung mit Entbehrung und Entsagung, mjt Selbstbekämpfnng und Hinopferung wandeln — — es scheint Klug-