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Jeschurun · 1858-09-01 · Heft 12 (September 1858) · p. 637

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 12 (September 1858)
Article
Aus Norddeutschland
Date
1858-09-01
Page
637 (sequence 4)
Language
German
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Aus RcMeutfMnd. ll. 637 )n M m i xh j e, | |׳1 :r- } H :m | ser i schränken, die der Herr Pfarrer oder Küster zu übernehmen, die Güte hat. Das ist der gewöhnliche Lauf der Dinge! Ich will hier das Unzulängliche einiger Religionsstunden nicht ausführlicher erwähnen; auf den Eindruck nicht aufmerksam machen, den Zurücksetzung und Schmähung, die das Kind seiner Religion wegen von seinen Genoffen und Lehrern zu erdulden hat, im kindlichen Gemüthe zurücklaffen, von den fremden Ideen, die es einsäugte, absehen und die Eltern nicht anklagen, daß sie ihre Kinder in christliche Schulen schicken; geschieht es ja in der reinen Absicht, ihr Glück zu gründen: nur darf es nicht ungerügt bleiben, wenn bei einer solchen Lage der Werth des jüdischen Unterrichts zu Nichts herabgewürdigt, Alles und Jedes, Tanzen, Reiten, Schwimmen 1t. s. w., ihm vorgezogen wird. Es geschieht nicht? Welcher Lehrer wüßte nicht von Scenen der Art zu erzählen. Das Söhnchen kömmt ermüdet ans der Schule und weint, jetzt noch zur ״langweiligen" Chumeschstunde gehen zu müssen; die Mutter hat Mitleid und es wird rasch ein Entschuld!- gungsschein geschrieben, daß der Sohn verhindert sei zu kommen. — Der Religionslehrer klagt, dem Schüler fehle der Eifer und und die Liebe, er predige tauben Ohren und todtem Herzen; der Vater verzieht die Stirn, läßt ein tadelndes Wort fallen und klagt: es sei dieses das Uebel und das Leiden der Zeit, die Liebe und der Eifer seien überall erkaltet. — Wer hat aber den Eifer im kindlichen Herzen erstickt? Wer den Funken der Liebe, der in seinem Innern glimmt, nicht angefacht? Wen trifft der Vorwurf, wenn das Kind einst theilnahmslos und stumm an allen hehren Erscheinungen des Zudenthums vorübcrgeht? Etwa nur den Lehrer? Oder gar das unschuldige Kind? O, nein, die Eltern mehr als Lehrer und Kind! Das Kind fühlt, womit es den Eltern Ernst ist, vor ihm gilt keine Heuchelei und kein Schein; nicht umsonst achtet man darauf, daß keine Arbeit der christlichen Schule versäumt und keine Ausgabe vernachlässigt wird, während man nach den Aufgaben der Religionsschule selten fragt; nicht umsonst freut man sich beim Lobe eines christlichen Lehrers und zürnt bei seinem Tadel, während man gegen Lob-und Tadel des jüdischen gleichgültig bleibt. Das Kind hat es durchschaut, und hat es jene Worte: wozu Chumesch? wozu Misch, najoth? nicht aussprechen gehört, so hat es sie auS den Mienen gelesen und in sich ausgenommen.

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