Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 12 (September 1858)
- Article
- Grundlinien einer jüdischen Symbolik
- Date
- 1858-09-01
- Page
- 632 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Ö32 Grundlinien einer jüdischen Symbolik. Milah. die freieste Sittlichkeit des Menschen bethätigen soll. Die Handlung selbst erscheint als eine blutige Verstümmelung, milder aufgesäßt als eine chirurgische Operation. : Die Handlung an sich, in ihrer äußern Erscheinung, von allem entkleidet, was ihre Einsetzungsurkünde über ihren symbolischen göttlichen Bundeschatakter ausgesprochen, wie nahe liegt es nicht, sie außer aller Beziehung zur Sittlichkett, rein nur eben als eine prophylaktische chirurgische Operatton zu begreifen, oder symbolisch gefaßt, sie gerade als ein jenen dunkeln, vom Wahne vergötterten Gewalten dargebrachtes Huldtgungsopfer zu deuten, die aus der Nachtseite des menschlichen Daseinsshineinreichen in das eigenste leibliche Wesen des Menschen und ihn dort in ihren mächtigen Fesseln gefangen halten! Ja, selbst aus die sittliche Seite des Menschen bezogen, wie leicht könnte es nicht erscheinen, als ob hier eine Vernichtung und Ertödtung des sinnlichen Leibes gefordert und hier nur eine neue Fessel dem ohnehin gebundenen Menschen bereitet wäre. Allem diesem tritt die Verweisung der Beschneidung in die Tagzeit mit Entschiedenheit entgegen. Diese Verweisung spricht laut: Die Beschneidung hat Nichts zu schaffen mit den blos leiblichen Zwecken des menschlichen Daseins. Sie hat Nichts zu schaffen mit den dunkeln Gewalten des gebundenen Naturlebens, die keine absolute Macht über den freien Menschen haben, vielmehr eben durch ihre Gebundenheit tief unter! dem vom freien Gotteshauche belebten Menschen stehen. Sie weist mit Entschiedenheit auf den Einen freien, persönlichen Gott hin, dessen setz eben die Nothwendtgkeit bildet, in deren Fesseln sich die ge!;denen Naturgewaltcn bewegen, und von dessen Persönlichfeit u Freiheit eben das persönliche, freie Walten und Schaffen des wachen Menschen ein Abglanz ist. An diesen freien, persönlichen, wachen Menschen wendet sie sich, ihm gibt sie ihr Messer in die Hand, von ihm fordert sie, daß er das Maß des Gebotes seines Gottes an seine Sinnlichkeit lege, daß er sie mit dieser freien Kraft auf dieses Maß beschränke und in dieser Beschränkung zur freien, sittlichen, Gott dienenden That weihend erhebe. Und nicht eine Ertödtung und Fesselung will sie bringen. Eben frei will sie den Menschen machen, ihm auch die sinnliche Welt, die in seiner leiblicheu Hülle ihn so nahe umfängt, unterthan machen, auf daß er