Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 12 (September 1858)
- Article
- Elul
- Date
- 1858-09-01
- Page
- 615 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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615 chefM und Naftonalbewüßtsem glauben sie am wirksamsten appelliren zu dürfen. ■x;:׳- :: Die Lcidenszuständesind es zuerst, die sie im Vordergründe unserm Bewußtsein vergegenwärtigen. Die Beschränkung und den Druck, die Unterdrückung und den Hohn, die Leiden und Seufzer, die Nord und den Jammer lassen sie uns herausfühlen, die unfern Zustand auf Erden verkümmern; wenn irgendwo, scheinen sie zu mei- Mw; so liegt hier der Beweis: unserer sittlichen. Mangelhaftigkeit, unserer Verzethungs- und Besserungs-Bedürftigkeit. Entspräche unser Leben dem hohen Ideale, des göttlichen Gesetzes, so müssten wir glücklich und geachtet sein auf Erden. Denn es ist gekommen, uns nicht nur. vom der Schuld, sondern, eben dadurch auch vom Unglück ans Erden zu erlösen. Es ist gekommen,, nicht nur eine jenseitige Seligkeit uns zu bringen, sondern schon diesseits auf Erden, unser irdisches Dasein durch die schützende und segnende Gottesnähe paradie fisch zu gestalten. Nicht in der Ertvdtung und Verkommung, nicht in. dem absterbenden Dahtnwelken und in. sich abhärmcnden JammergesiaHen sucht es ja das. Ideal seiner Verwirklichung; Freude und Heiterkeit,. Blüthc und Leben will es verbreiten, und jede Thräne, die noch, geweint wird, jeder Seufzer der noch nicht gestillt ist, jeder Schmerz der noch nicht seine Heilung., jede Wunde die noch ihren Balsam nicht gesunden,, sind eben so viele Beweise, daß Gottes Gefttz . noch in unserm Leben keine volle Wahrheit geworden. Und eben unser Nationalletden, das Leiden unsrer Galuthgesammtheit ist es hier, wieder zunächst, dem unsere Gefühle sich zuwenden sollen.. Unserer Väter Blick war nicht so beschränkt, und ihr Herz nicht so enge, wie Blick und Herz ihrer — kosmopolitisch — gebildeten Enkel! Meint ihr,, daß: es nicht zu allen Zeiten, mitten in der dunkelsten Nacht der Jahrhunderte, Einzelne unter uns gab, die durch Vermvgen und Ansehen sich vom Druck des Galuth emancipirt fühlen durften,?: Daß nicht auch in der Vergangenheit bereits hier und da periodisch. und sporadisch die Mprgenröthe freier. Zustände gedämmert? Aber dariM vergaßen die, Mter über das eigene Glück nicht der Noth und des Jammers, die. ihre Brüder drückten,, schauten, die glücklicher: Gestellten doch wehmnthsvöll über das eigene Weichbild hinaus auf, das, Elend,., unter welchem in allen,Zonen Aakohs-Famiften schmachtete»,, und wo ihnen vorübergehend der Schsshl einer .ff '