Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 11 (August 1858)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1858-08-01
- Page
- 587 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Fcdttzeichnungeri. toten hat/ der wirdv sich nimmer zu der Höhe der, sittlichen Menschenwürde erheben. Wo soll man aber Kraft finden zum Widerstande, wo so viele Verlockungen reizen, wo die Verführung und!das Beispiel so machtig einwirken? Wer kann widerstehen, wo die Stimme der Neigung von Innen mch das Beispiel und die Verführung von Außen rufen; — was rst gewaltiger als die Leidenschaft, was mächtiger als.-das Beispiel? ־; Wohl gibt es Etwas, welches dem Menschen Kraft zum Widerstande verleiht, welches ihn stählt gegen die lockendsten Verführ»«- gen, gegen den gewaltigsten Einfluß des Beispiels, das ihn siegreich hervorgehen läßt aus dem Kampfe mit der Leidenschaft — dieses Eine istdas jüdische Gesetz., Das Judknthnm weiß Nichts von Erbsünde, kennt keinen Tenfel; das Zudenthnm kennr nur Menschen , der höchsten menschlichen Reinheit fähig und lehrt nicht Ertodtung der Triebe,-die dieallweise Vorsehung in des Menschen Brust gepflanzt; seinechehre-M das Leben, das frische, frohe Dasein in Entfaltung aller Anlagen, im Genüsse aller Freuden. Nicht, in dem Tode erblickt es sein Ideal, nicht das traurige, schmerzcrfüllte Antlitz eines Sterbenden zeigt es seinen Bckennxrn; cs stellt den Menschen Hin aitf• die grüne! lachende Flur unter duftenden Blumen/und singende» Vögeln und spricht zu ihm: wenn die ganze Schöpfung zur Freude gebsiren,׳ so bist du ganz besonders zum höchsten, reinsten, göttlichen Wonneleben berufen; — auf baß du diese Freude gewinnst, hast du meine Gesehe. Erfüllst du diese, so bist du wahrhaft frei, so gewinnst du die ewige, unvergängliche Freude. Du bist frei von der Gewalt der Leidenfchaft, denn ich lehre dich deine Triebe meistern und sie benutzen nach göttlichem Willen zu hohen, heiligen Zwecken; du bist frei von der Gewalt der Menschen und dem Einflüsse des Beispiels, denn ich zeige dir, daß es einen Höheren gibt über dem mächtigsten Erdensohn, daß höher und unantastbarer als der schwachen Sterblichen wahnerfüllte Satzungen das ewige Gebot'des Allerhöchsten; ich gebe dir einen unfehlbaren Probtrstein, an welchem du der Menschcn Worte prüfen kannst und erziehe dich zu so heiligem, hohe» Bewußtsein, daß du mitleidig spotte» kannst des Spottes der unerleuchteten Mitwelt. SS