Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 11 (August 1858)
- Article
- Aw
- Date
- 1858-08-01
- Page
- 564 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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564 Ais. in einem Momente aufhörte in lebenswarmer Menschenbrust lebenbig zu werden, und sie lud das ganze Volk zu ihren Trägern, damit sie um so sicherer erhalten blieb. Und nun ihr Inhalt, dem an Unerschöpflichkeit nur das zweite Gotteswerk, die Natur fast gleichkommt, der gleich ihr dem Forscher immer neue Wahrheiten, immer neue Schönheiten, immer neue Tiefen, immer neue Fragen bietet, der nun bereits während mehr als dreitausend Jahren so vielen dahingegangenen Geschlechtern der Entwickclungsboden eines reichen Geisteslebens gewesen und noch immer bereit ist die Forschung der Enkel und Urenkel mit neuen frischen Blnthen, mit neuen leuchtenden Schätzen zu lohnen; — ihr Inhalt, für dessen Umfang ארוכה מארץ מדר. keine Hyperbel ist, der in Wahrheit Himmel und Erde umspannt und insbesondere das Menschenleben mit all den Maunigfaltigkeiten seiner individuellen und gesellschaftlichen Entwickelungen würdigend und gestaltend umsafft, deffen Kommentar Natur und Geschichte bildet und dem jede Erscheinung der Natur und jeder Pendelschlag an der Uhr der Zeiten neuen Reiz und neues Licht abgcwinnt; ihr Inhalt, der ihre Jünger nicht zu Leben- und Wirklichkeit-beraubten Abstraktionen und Nebclgedankeu ladet, dessen Objckt die vollste, frischste, lebendigste Wirklichkeit ist, dessen vollste Erforschung jene einzige, höchste Stufe wahrhaftiger Erkeimtniß verspricht, die sich wohl nicht treffender als mit den Worten bezeichnen ließe, die von unfern um den Sinai versammelten Vätern einst galten רואים את הנשמע ושומעים אח הנראה : רואים אח הקולות alles Begriffene zu sehen!nid alles Sichtbare zu begreifen — : wie ist dieser Inhalt, auch blvs als Lehre, als Theorie, als Wissenschaft, der Talisman einer ewig frischen, geistigen Jugend! Und er ist ja mehr, er ist ja iu Wahrheit eine Theorie, die in jedem Augenblick die Praxis fordert, eine Lehre die in jedem Augenblick daS Leben gestalten will, die in jeden» Augenblick nns aufs neue mit dem ganze Ideale unserer Vollkommenheit im Einzel- und Gesammtheitsleben erfüllt, uns damit einen Maßstab in Händen gibt, dem noch keine Vergangenheit, keine Gegenwart genügt, der uns ewig vorwärts ladet, fvrtzuschreiten in Selbstveredelung, Lebensläuterung, Pflichterfüllung, und jeden neuen Tag, jeden neuen Augenblick als einen von Gottes Gnade gewährten Moment mit Begeisterung ergreifen läßt, zu lernen, als ob wir noch nimmer ge-