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Jeschurun · 1858-06-01 · Heft 9 (Juni 1858) · p. 491

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 9 (Juni 1858)
Article
Deutschland : Baja [Nachricht]
Date
1858-06-01
Page
491 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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491 Nicht altem Herkommen und Gebrauch wollen wir das Wort reden, wir erkennen den heiligen Eifer, die jüdische Jugend zu ächten Bürgern zu erzidhen, und wissen ihn zu würdigen; aber Mißgriff, ja Versündigung an unser'm Gewissen ist's, der Jugend die Geschichte ihres eigenen Volkes vorzuenthalten und unfern Kindern, die Wallung und Regierung Gottes in der Entstehung und Auflösung unseres Staates zu verschweigen. Wie soll der ins Leben eintretende Jüngling Sinn für Judenthum haben, wenn ihm die Schule dessen geschichtliche Entwickelung versagt? Vor 60 Jahren begriffen es unsere Brüder in Böhmen und Mähren sehr richtig und errichteten T. T. Schulen, die, wie die Folge lehrte, die schönsten Resultate erzielten? — Ganz anders ist cs heute! Eme Zeit, in der das materielle Leben unaufhörlich an dem Heiligen rüttelt, eine Zeit, wo ein Saphirischer Kalenderwitz die Jugend elektrisirt, während das heilige Wort sie zum Gähnen bringt, eine solche Zeit fordert mit Recht mehr Anstrengung und Opfer das uns anvertraute Kleinod zu wahren und zu schützen. Zum Tröste sei es gesagt, daß in letzter Zeit vor» der weifen Negierung mehrere Musterschulen errichtet wurden. Vielleicht werden die verschiedenen Ansichten -der Cultusvertretern durch diese Anstalten zum Einklänge gebracht, was wir ernstlich hoffen und sehnlichst erwarten! ... Würzburg, 6. Mai. Wenn ich heute in den Fehler so mancher Correspondenten verfalle, welche, erzürnt, über die in bairischen Kreisen herrschende Ruhe und Stille, ihre Leser mit Lamentationen und Klagen und Projekten unterhalten, und ich ihnen heute von einem Plane ja sogar von einem gescheiterten Plane berichte, so werden Sie diese Schwäche gütigst entschuldigen und diesem spät kommenden Berichte dennoch einen Raum in Ihrem geschätzten Blatte gönnen. Das Bedürfniß ein jüdisches Spital hier zu besitzen, war ein tief gefühltes, da, wie der vor mir liegende Aufruf vom November 1856 bemerkte, ״von dem sich eines so ausgebreiteten Rufes erfreuenden Julius-Hospital kein oder ein nur äußerst erschwerter Gebrauch gemacht werden kann". Die Aufforderung unsres für dieses edle Werk hock begeisterten Herrn Rabbiners wurde daher mit Eifer erfaßt und nachdem die Erlaubniß zur Errichtung eines Comite's und zur Sammlung von Jahres- und Gründungsbeiträgen eingeholt war, wurde der erwähnte Aufruf, von Herrn Rabbiner S. B. Bamberger und 5 G״meindemitgliedern unterzeichnet, an die Gemeinden der Kreise llnterfranken und Aschaffenburg erlassen. Die znr Begründung erforderliche Summe belief sich auf 100,000 Gulden, neben welcher länger andauernde jährliche Beiträge eingeliefert werden sollten, eine hohe Summe! aber was vermögen nicht ernstlicher Wille und vereinte Kräfte und dann — galt es ja leidenden Brüdern zu helfen, armen, hülflosen Kranken, die nicht wissen, wo ihr müdes Haupt hinlegen, eine gastliche Stätte zu bereiten;

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