Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1858)
- Article
- Deutschland : Berlin, den 1. April 1858 [Nachricht]
- Date
- 1858-05-01
- Page
- 435 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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43ö Die Ergebnisse und Erlebnisie dieser mehr denn achtjährigen Wanderung legt der erfahrene Reisende jetzt in seiner Schrift ״Acht Jahre in Asien und Afrika" nieder und liefern die zwölf bis jetzt gedruckten und von mir gelesenen Bogen dieses höchst interessanten Werkes genaue Nachrichlen über unsere Glaubensbrüder in den von ihm bereisten Ländern, über ihre Gebräuche und Traditionen, ihre Fehler und Culturzustände u. s. w. wie dieses bis jetzt von keinem Reisenden mit specieller Berücksichtigung der-Juden geschehen ist. Schön sind die Worte, welche der Nestor der Wissenschaften, der große Meister des menschlichen Wissens, Alexander v. Humboldt dem Verfasser vor wenigen Tagen geschrieben hat: Ich habe in Anerkennung des edeln Zweckes, welchen Sie auf so weiten Landreisen verfolgt haben, den Zustand eines zerstreuten und unterdrückten Volkes zu ergründen, mit vielem Interesse einige Bogen ihres Reisewerkes gelesen. Sie schildern Zustände der Entartung in deu Unterdrückten, der Willkürsgewalt in den Unterdrückern, welche in Europa wenig bekannt sind und ihrem Buche gewiß und mit Recht viele Leser verschaffen werden u. s. w. Daß die Reiseberichte des Herrn Benjamin den.Stempel der Wahrheit und Glaubwürdigkeit au sich tragen haben ihm die allgemein bekannten Reisenden Ritter, Peterman u. A. gerne und freudig bezeugt und scheint mir die Bemerkung nicht überflüssig, daß die Nachrichten, welche der Reisende aus der Moldau über die Juden in Persien und Indien liefert mit denen Pedro Teftera's eines spanisch-portugiesischen Reisenden aus dem Anfang des 17. Jahr- Hunderts genau ubereinstimmen. Der neue Wellreisende beabsichtigt nun, sobald sein erwähntes Werk die Presse verlassen hat, eine dritte Reise nach China, der Malabarischen Küste und Afghanistan zu unternehmen, wozu ihm von namhaften Gelehrten wie Munk, Dernburg, Jost u. A. Aufgaben gestellt worden sind. Trotz der Hülse aber, welche einige jüdischeu Gemeinden Deutschlands, wie Frankfurt a. M., Hannover u. A. geleistet, trotz aller Bemühungen einzelner Männer der Wissenschaften ist Herr Benjamin doch nicht in dem Maße mit den zu einer so kostspieligen Reise erforderlichen Mitteln versehen, daß er dieselbe sorgenlos antreten könnte. Was wäre daher wohl erwünschter, als daß die edlen Männer unseres Glaubens m Deutschland sich zur gemeinsamen Thätigkeit vereinten und gemeinschaftlich einen solchen Zweck wie der von Herrn Benjamin verfolgt ist, förderten und unterstützten. Hunderte von Missionären und Reifenden werden jährlich ausgeschickt; sie finden bei ihren Regierungen stets offene Hand. Noch ziehen diese sich zurück, sobald ein Jude der Reisende ist und Zwecke verfolgt, welche speciell die Juden interessiren. Die jüdischen Reisenden sind einzig und allein aus ihre Brüder im Glauben angewiesen. Möchte doch die Liberalität begüterter Glaubensgenossen sich auch diesem edeln, herrliche Frucht erzielenden Zwecke zuwenden, damit der Reisende nicht mehr gezwungen ist, den Einzelnen seine Bitten vovzulegen und in den Stand gesetzt werde, seine neue Reise mit einem frohen Blicke in die Zukunft recht bald antreten zu können. (Kg.)