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Jeschurun · 1858-04-01 · Heft 7 (April 1858) · p. 341

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 7 (April 1858)
Article
Nissan
Date
1858-04-01
Page
341 (sequence 11)
Language
German
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Nissan. 341 in die kundige Menschenhand. Nicht nach Wind und Wolke, diesen aller Berechnung entschlüpfenden Witterungsfaktoren, hatte der Egyptcr wegen des Gedeihens seines Bodens auszublicken, in regclmäßigen, zu berechnenden Periode» brachte sein hochanschwellender Strom ihm Wasser und Dünger und neue, ungeschwächte Frucht-Erde aus dem glühenden Süden und machte sein Land, das ringsum der Tod mit der Oede der Wüste und dem nackten Gestein umstarrtc zu einem unerschöpflichen Schooße reich aufwuchernden Lebens. Wenn nur die Ueberschwemmung des Nil zur erwarteten Zeit sich einstellte — das war fast das einzige ״Wenn", die einzige Voraussetzung in Mizraim, alles Andere erfolgte daraus mit fast unausbleiblicher Consequenz — wenn nur der Nil mit seiner Ueberschwemmmung zur erwarteten Zeit flch einstcllte, so lag aller weitere Segen des ganzen Jahres in der Klugheit und dem Fleiß des Menschen. War der Nil gekommen, und sein Kommen war berechnet, dann regulirte und leitete die Staatsgewalt durck großartige Basstn- und Canalbauten seinen Segen wie und wohin es ihr beliebte und hatte auf diesem in solcher Regelmäßigkeit flch darstellenden Grundregulator ei» staatliches Leben aufgcführt, das in seiner regelrechten Unwandelbarkeit mit den ewigen Mächten der unwandelbaren Natur wetteiferte. ״Ordnung" war in Egypten nicht nur erste Bürger- Pflicht, es war seine einzige, und nach einem unwandelbaren, die göttliche Gleichheit, die Berechtigung freier Selbstentwickelung, den Selbstzweck und die Selbstbestimmung des Individuums völlig ver- ,lichtenden Schematismus gliederte sich der über einander geschichtete Kastenbau des Staates. Kein Mensch ward in Egypten mehr geboren. Nur Bauern, Handwerker, Soldaten, Priester, Könige traten ins Leben. Eine eiserne, göttliche Nothwcndigkeit umklammerte sie Alle von Geburt an und die sakramentale Heiligsprechung dieser über- und unterordnenden Schichtung des bürgerlichen Lebens bannte — so weit Menschenklugheit reichte — jeden Gedanken eines umstürzenden Versuchs. Ohnehin mochte jede untere Schicht gerne den Druck der auf sic herabschauenden obern Schicht tragen, konnte sie doch mit gleich süßem Selbstgefühl auf die ihr unterstehende nieder schauen! Und die letzte? Nun freilich, der fehlte in Egypten urwüchsig die Genugthuung auf eine völlig recht- und bodenlose Menschenschicht hinabschauen zu können, und an dem Versuch, dem

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