Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 6 (März 1858)
- Article
- Geschichte der Juden
- Date
- 1858-03-01
- Page
- 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932856-2942091--03437-2942131- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
290 Äeschichlc der Juden »vn Dr. Grätz. Zwölfter Artikel. dennoch nach hartnäckigstem Kampfe der römischen Ncbermacht erlag und Rorn zum zweitenmal über Judäa trtumphtrte, da kannte die Wuth der Rache keine Gränzen und um die wegen ihres unbeugsamen FreiheitSgefühleS doppelt verhaßten Jude» für immer in ihrer rinzigen Lebensseelc zu vernichte׳.׳., ward mit antiochäischcr Raserei gegen jede Erfüllung jüdischer Rcligionsgesetze und mit doppeltem Ingrimm gegen das Lehren der Lehre und der Nebcrlieferung gewüthet. Qual und Marter, Tod und Verderben wurde von Hadrian durch seine Beamten und deren Handlanger gegen jeden Juden, der daS Gesetz erfüllte und insbesondere gegen jeden Meister der Lehre geschleudert, der das Gesetz lehrte und die Tradition weiter überlieferte. Diese Zeiten der Geserah und Schemad schildert der Verfasser mit lebendigster Theilnabmc und man fühlt es ihm an, wie sehr er selber von der Seelcngröße, die er schildert und von der opferfreudigen Hingebung unserer talmudischen Heroen ergriffen ist. Und wahrlich, wenn etwas geeignet gewesen wäre, den Vers, von dem Geiste jener befangenen Täuschung zu befreien, der seine Muse bei Abfassung dieser Geschichte gewesen, an dieser Stelle hätte er über seine eigenen Phantasten stutzig werden müssen. Wahrlich, war denn in der That, was diese Meister des Gesetzes als göttliche Ueberlieferung vom Sinai überantwortet, und was wir noch heute als solche verehren, nichts, als das Erzeugniß ihrer eigenen aus den Gestaltungen der Zetten und der persönlichen Neigungen und Bestrebungen hcrvorgegangenen geistigen Geburten, war das Prinzip ihrer Forschung nichts als ein subjektives Spiel eines mehr oder minder begabten sanguinischen oder ״nüchternen" Genies, woher die Begeisterung dafür Tod und Marter zu dulden, woher der Entschluß daran das Leben und mehr noch als das Leben zu setzend War die Lehre rind die Tradition, welchen der Krieg ans Leben und Tod gekündigt war, waren ste Menschenwerk, waren sie Erzeugniß subjektiver Spekulation, so war es ja eine Thorheit, dafür sein Leben hinzuopfern, so war es ja Wahnsinn, ja ein Verbrechen, die Traditions-Erhaltung dessen mit qualvollstem Tode zu erkaufen, was ja;u jeder Zeit begabte Geister und Phantasten wieder aus sich ״zeitgemäß" hcrzustellen im Stande gewesen wären, so hatte Papns b. Juda recht, wenn er dem R. Aktba das tollkühne Wagniß als Thorheit vorwarf, trotz des kaiserlichen Verbots, Lehrversamm-