Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1858)
- Article
- Lübeck [Nachricht]
- Date
- 1858-01-01
- Page
- 209 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Corresponvenz. Lübeck, im Dezember. Seit der im Jahre 1848 durch Raths- und Bürgerschluß verstatteten Gleichberechtigung der Israeliten mit den andern Staats - Angehörigen und deren Uebersiedelung aus Moisling nach Lübeck hat nach dem Verhältnisse der zunehmenden Anzahl der Gemeindemitglieder auch die ini folgenden Jahre errichtete Religionsschulc an Zöglingen gewonnen. Anfangs ward dieselbe an wöchentlich nur anderthalb Tagen durch das Lehrerpersonal der Moislinger Talmud Thora gehalten; doch schon nach etwa zwei Jahren trat mit der wachsenden Schülerzahl das Bedürfniß ein, einen besonderen Lehrer für die Religionsschule in der Stadt anzustellen. Nach dem in Berücksichtigung der beschränkten Zeit, welche vom Besuche der allgemeinen Bildungsanstalten den Schülern für den Religionslehrgegenstaud übrig blieb, rabbinatsseitig vorgezeichneten Plane sollten wöchentlich 24 Stunden diesem Unterrichte zugcwandt werden, und die Aufgabe wäre von einem fachkundigen und berufseifrigen Lehrer nicht nur leicht zu lösen gewesen, sondern die Resultate hätten auch bei den mäßigen Ansprüchen vollkommen befriedigen müssen. Trotzdem blieben die Leistungen der Religionsschule weit hinter den billigsten Erwartungen zurück. Der Grund mochte theils in der mißlungenen Wahl der Lehrer, welche meist mehr Gelehrsamkeit als Lehreifer und Lehrgcschicklichkeit besaßen, theils in der zum Unterrichte ungeeigneten Abendzeit zu sinden sein, welche man nothgedrungen zu dem wichtigsten Lehrgegenstande nehmcu mußte, und in der die Zöglinge ermüdet und mit erschlafftem Muthe zur Schule kamen, und mit Unlust und ohne Interesse dem Religionsunterrichte folgten. Die Folgen dieser ungünstigen Umstände veranlaßten den Schulvorstand, eine völlige Umgestaltung der bisherigen Lehrordnung vorzubereitcn. Nach manchen Beschwerden gelang es endlich dessen unermüdlichem Streben, für die Errichtung einer allgmcinen Schule, in welcher neben dem Religions-