Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1858)
- Article
- Teweth
- Date
- 1858-01-01
- Page
- 182 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Teweth. einet fo lebenskräftigen, segensvolle» Entfaltung, daß in dem Kreis der verachteten, gehöhnten, gehetzten und gedrückten Juden die Menschlichkeit und das Menschenwürdige, all das göttlich Große, das. der Begriff der Humanität umfaßt, zu einer Verwirklichung kam, von welcher eine in Barbarei versunkene, machtstolze Welt keine Ahnung hatte, und ihn mitten in allem äußern Jammer eine schon hiniedige heitere Seligkeit finden ließ, die der dem Menschlichen entrückte Bürger und Edelmann nicht begriff. Die Gotteslehre, die der Jude trug und daö GottesgeseH, das sein Leben beherrschte, zeitigte beim Juden ein Geistes- und Gemüthsleben, eine Ehe, ein Haus, eine Familie, eine in der Gemeinde zu Tage tretende Brüderlichkeit und eine allweite Menschenfreundlichkeit, die dem Juden Alles ersetzten, was die bürgerliche Welt ihm geraubt, die seine Krongüter und seine Domainen, sein Adel und sein Bürgerrecht, sein Glück und seine Freude wurden, die den Juden trotz Allem zum glückseligsten Menschen machten und ihm. ein tiefbercchtigtes Selbstbewußtsein gewährten, das ihn dem ״Jnd mach Mores" der europäischen Gassenbuben mit einem uiitleidigen Lächeln begegnen lehrte. Die ganze Geschichte der Juden seit Jernschalaims Fall ist nichts als ein Triumph des ״Weiblichen" über das ״Männliche", des Menschen über den Bürger, ׳ des Hauses über den Staat, ist nichts als die Veranschaulichung der großen Wahrheit, daß der einzelne Mensch nicht erst seine Bedeutung und Weihe, sein Heil und seinen Frieden in der Gesammtheit und durch dieselbe, zu finden habe, daß jedem Menschen, jedem Hause, jeder Familie unmittelbar Gott, nahe sei, und eben in der Heiligung und göttlichen Entfaltung des Menschen und seines Hauses der Staat erst seine Wurzel und seinen Boden finde. Je mehr aber die Volker selbst zu einer größerer» Werthschätzung׳ des Menschlichen im Menschen gelangen, je mehr die Erfahrung der Zeiten ihnen das Bewußtsein aufdräugt, daß nur in der größtmöglichen humanen Vollendung seiner Bürger der Staat seinen Halt und sein Endziel zu finden habe, und immer mehr und mehr das zum Problem der höchsten Staatsweishett wird, die Formen und Formeln zu finden, vermittelst deren Verwirklichung das Menschliche im Kreise des Staates die höchste Pflege und Blüthe gewinne, also, daß fortan nur der Staat der beste sei, der die be-